Tiefe Enttäuschung bei Koller nach 0:2 gegen Ungarn

Koller musss sich auch um Alaba kümmern

Koller musss sich auch um Alaba kümmern

Tief enttäuscht hat Österreichs Fußball-Teamchef Marcel Koller am Dienstag unmittelbar nach dem 0:2 in Bordeaux gegen Ungarn eine erste Analyse des kapitalen EM-Fehlstarts abgegeben. Offensichtlich sei der Druck für einige seiner Schützlinge zu groß gewesen, versuchte der Schweizer die erste Pflichtspiel-Niederlage nach zuletzt zehn Siegen und einem Unentschieden zu erklären.

"Grundsätzlich waren wir zu nervös", kritisierte Koller. "Wir hatten zu viele Ballverluste, die ich so nicht kannte, und wir konnten nie über mehrere Stationen unser Kombinationsspiel aufziehen. Wir hätten mehr Ruhe in unseren Aktionen gebraucht."

Warum sich bei seinen international erfahrenen Kickern auf einmal Nervosität breitmachte, war dem 55-Jährigen selbst ein Rätsel. Möglicherweise sei die Teilnahme an einem großen Turnier doch etwas anderes, als regelmäßig auf Vereinsebene in Top-Ligen zu spielen. "Beim einen oder anderen war Hektik drin", sagte Koller.

Dabei war man beim Stangenschuss von David Alaba nach 31 Sekunden einem optimalen Auftakt ganz nahe. "Wenn wir da das Tor schießen, sieht vielleicht alles anders aus", vermutete Koller und ergänzte: "Auch danach sind wir noch das eine oder andere Mal gut vor das gegnerische Tor gekommen." Selbst der Start in die zweite Hälfte verlief laut dem Nationaltrainer noch vielversprechend. "Aber dann haben wir das 0:1 und Gelb-Rot kassiert."

So blieb eine bittere Erkenntnis: "Man kann sagen, dass das 0:2 kein guter Start war." Koller hatte den Blick aber schon wieder auf die nächste Partie am Samstag im Pariser Prinzenpark-Stadion gerichtet. "Jetzt müssen wir versuchen, gegen Portugal zu punkten. Schön wäre es, wenn wir drei Punkte holen."

Bis zum Duell mit den Iberern will der Coach seine Kicker wieder aufrichten. "Nach dem Spiel waren alle sehr enttäuscht, es war sehr ruhig in der Kabine. Aber wir haben eine gute Gruppe, jeder muss den anderen mitreißen und ich werde vorangehen", versprach Koller.

Seine Auswahl hat ohnehin nicht lange die Gelegenheit, Trübsal zu blasen. "Wir haben nicht ein paar Wochen Zeit, um das zu verkraften. In drei Tagen geht es weiter, da heißt es Kopf hoch, abwischen und Vollgas geben", erklärte Koller.

Gegen Cristiano Ronaldo und Co. fehlt der gesperrte Aleksandar Dragovic, auch der an einer Knöchelverletzung laborierende Zlatko Junuzovic dürfte nicht fit werden. Weitere Umstellungen sind nicht ausgeschlossen, da sich so mancher Stammspieler in einem hartnäckigen Formtief befindet. "Aber man kann nicht auf einen Knopf drücken und sagen, jetzt spielen wir auf Top-Niveau", betonte Koller.

Keine Sorgen um den Verlust seines Fixleiberls muss sich Alaba machen. "Man hat gesehen, dass er ein Spieler mit einer unglaublicher Technik und Spielverständnis ist", sagte der Teamchef. Allerdings gab Koller auch zu, dass der Positionswechsel seines Stars im Vergleich zum FC Bayern nicht ideal ist. "Vielleicht ist das ein kleines Problem."

An diesen und weiteren Problemen kann Koller am Mittwoch und Donnerstag wieder in Mallemort arbeiten, wohin man noch in der Nacht auf Mittwoch zurückkehrte. Der knapp einstündige Flug gestaltete sich phasenweise als turbulente Angelegenheit, was der Pilot mit Blitz und Donner über der Provence erklärte.

"Davon werden Sie in dieser Woche leider noch mehr haben", prophezeite der Kapitän über den Bordfunk. Dabei meinte er zwar die angesagten Gewitter, könnte aber in doppelter Hinsicht recht behalten: Wenn am Samstag Island gegen Ungarn gewinnt und Österreich gegen Portugal verliert, ist die Achtelfinal-Chance des ÖFB-Teams vorzeitig dahin.