Türkei dank großer Leidenschaft im Achtelfinal-Rennen

Fatih Terim: "Es ist nicht vorbei"

Fatih Terim: "Es ist nicht vorbei"

Mit großer Leidenschaft hat die Türkei die Hoffnung auf das EM-Achtelfinale am Leben erhalten. Nach den ersten beiden Spielen in Frankreich von Presse und Fans schwer unter Beschuss gekommen, reichte den Türken eine Partie, um neue Euphorie zu entfachen. Nach dem 2:0 gegen bei der EM gescheiterte Tschechen rechnete Teamchef Fatih Terim zu "80 bis 90 Prozent" mit dem Aufstieg.

Um den Einzug in die K.o.-Phase zu realisieren mussten die Türken bis zuletzt zittern. Entschieden wurde dies erst nach dem abschließenden Partien der Gruppenphase zwischen Schweden und Belgien bzw. Italien und Irland (Anpfiff Mittwoch 21.00 Uhr). Terim war scheinbar unbesorgt. Der 62-Jährige hoffte bereits auf ein ähnliches Husarenstück wie 2008, als die "Halbmond-Sterne" bei der Euro in Österreich und der Schweiz bis ins Halbfinale vorgestoßen waren.

"Es ist nicht vorbei, bis wir sagen, dass es vorbei ist", hatte Terim vor dem Spiel unentwegt betont. Null Punkte und 0:4 Tore standen für die Türken vor der Alles-oder-Nichts-Partie in Lens zu Buche. Ein Erfolg mit zwei Toren Unterschied war nötig, um im Aufstiegsrennen der Gruppendritten noch Chancen zu haben. Nach Häme aus der Heimat, die sogar Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf den Plan gerufen hatten, zeigten die Türken die erhoffte Reaktion.

Tore von Burak Yilmaz (10.) und Ozan Tufan (65.) sorgten für Ekstase bei den Anhängern. Die Übermotivation, mit der die Türken teilweise während des Spiels zu Werke gingen, schlug sich auch auf den Rängen nieder. Nach dem 2:0 flogen Leuchtraketen aus dem türkischen Sektor auf das Spielfeld. Es droht erneut ein Nachspiel bei der UEFA. Schon nach dem Spiel gegen Spanien hatte Europas Verband wegen türkischen Fanverfehlungen ermittelt.

Dass ausgerechnet Tufan den für den Aufstieg vielleicht entscheidenden Treffer schoss, war bezeichnend. Der 21-Jährige von Fenerbahce war beim 0:1 zum Auftakt gegen Kroatien zum Buhmann geworden, weil er sich vor dem Gegentor mehr um seine Frisur als den Gegner gekümmert hatte. Auch Arda Turan überzeugte in zentraler Position, nachdem der Barcelona-Star in der Heimat zuletzt schwer kritisiert worden war.

"Das war eine tolle Reaktion. Mit dem Sieg haben wir unser Selbstbewusstsein wieder", betonte Terim. Er wäre "sehr frustriert", wenn der Aufstieg nun nicht eintreffen würde. Denn nun sei die Mannschaft für Höheres bereit. "Ich denke wir werden weiter besser werden. Meiner Erfahrung verrät mir das", meinte der seit 2013 in seiner dritten Amtszeit als türkischer Teamchef arbeitende Terim.

Torschütze Yilmaz erinnerte an die Qualifikation für die EM, in der die Türkei dank eines Endspurts noch als bester Gruppendritter das Ticket für Frankreich gelöst hatte. "Türkische Spieler mögen es, wenn es schwierig wird", meinte der seit Jänner für Beijing Guoan spielende Angreifer.

Seinen Anteil am Sieg hatte Talent Emre Mor bei seinem Startelf-Debüt. Der in Dänemark geborene und aufgewachsene 18-Jährige legte das erste Tor auf und rieb sich bis zu seiner Auswechslung auf. "Es war entscheidend, ihn von Beginn an zu bringen. Er war heute so etwas wie unser Retter", sagte Terim über den künftigen Dortmund-Profi, der erst im Mai sein Teamdebüt gegeben hatte. "Ich kannte ihn bis zum Turnier nicht wirklich. Aber im Training sieht man, welche Qualitäten er hat", meinte Yilmaz.

Den Tschechen half es am Ende nicht, dass sie die Partie über weite Strecken selbst gestalteten. Der Europameister von 1976 blieb im Abschluss zu wenig durchschlagskräftig, hatte bei einem Kopfball von Tomas Sivok an die Stange (16.) auch Pech. "Wir sind mit der Situation nicht klar gekommen, gewinnen zu müssen", sagte der bei Bursaspor beschäftigte Stürmer Tomas Necid.

Tschechiens Teamchef Pavel Vrba will als Nationalcoach aber auf jeden Fall weitermachen. "Ich habe nirgendwo anders einen Vertrag", betonte der 52-Jährige. Dagegen erklärte Mittelfeldspieler Jaroslav Plasil (34) nach 103 Länderspielen seinen Rücktritt. "Jaro hat in der Kabine gesagt, dass er nicht weitermachen will. Sonst keiner", berichtete Vrba.