EURO: Ungarns Defensive sieht sich für Österreich gerüstet

Leipzigs Peter Gulacsi hütet das Tor der Ungarn

Leipzigs Peter Gulacsi hütet das Tor der Ungarn

Ungarn dürfte Österreich am Dienstag im ersten Gruppenspiel der Fußball-EM in Frankreich mit einem massiven Defensivkonzept begegnen. Die Magyaren haben ihre Stärken nicht im spielerischen Bereich, sondern im Konter und bei Standardsituationen. Für die ÖFB-Angreifer sieht sich das Team des deutschen Trainers Bernd Storck gerüstet.

"Wir haben uns sehr gut und sehr detailliert auf die Österreicher vorbereitet", erklärte Abwehrchef Richard Guzmics am Freitag in einer Pressekonferenz im Camp der Ungarn in Tourrettes. "Sie haben ein sehr gutes Offensivspiel." Als gefährlichste Waffen machte der 29-Jährige von Wisla Krakau Marko Arnautovic und Marc Janko aus. "Arnautovic ist sehr gefährlich in allen seinen Aktionen. Und Janko ist üblicherweise der, der die Angriffe abschließt."

Dazu gelte es, ÖFB-Star David Alaba in den Griff zu bekommen, meinte Linksverteidiger Mihaly Korhut. "Jedes Team hat seinen Anführer, seinen Schlüsselspieler, jemanden, der Spiele entscheiden kann." Bei den Österreichern sei dies Alaba. "Wenn wir ihn stoppen können, wäre das sehr wichtig für uns."

Der Anführer der Ungarn ist Balasz Dzsudzsak. Der Kapitän hat bisher 18 Länderspiel-Tore erzielt - und gilt als Freistoßspezialist. "Er hat einen großartigen linken Fuß", lobte Guzmics den 29-jährigen Flügelspieler vom türkischen Mittelständler Bursaspor. Zudem sind auch die groß gewachsenen Innenverteidiger selbst nach ruhenden Bällen gefährlich. Guzmics: "Wir legen viel Wert darauf. Wir haben auch in unseren zwei Trainingslagern viel Standardsituationen trainiert."

Die Ungarn bereiteten sich ab 13. Mai fast drei Wochen in Österreich auf die EM vor - zuerst in Bad Kleinkirchheim, danach in Leogang. In den beiden Camps wurde - im Gegensatz zum ÖFB-Team, das erst am 22. Mai zusammengezogen wurde und die Regeneration in den Mittelpunkt gestellt hat - auch der Grundstein im konditionellen Bereich gelegt. "Ich sehe uns auf einem guten Weg", sagte Stürmer Adam Szalai.

Als Torfabrik sind die Ungarn allerdings nicht gerade bekannt. In der Quali-Gruppe gelangen in zehn Spielen elf Treffer, in den drei Testspielen dieses Jahres war es gerade einmal einer gegen Kroatien (1:1). Storck hat nicht weniger als fünf Mittelstürmer in seinem EM-Kader - dabei kommt in seinem 4-2-3-1-System nur einer zum Einsatz.

Der Deutsche dürfte aufgrund dessen internationaler Erfahrung auf Szalai setzen, obwohl dieser in der Heimat bereits als "Stürmer, der keine Tore schießt" angezweifelt wird. Sein bisher letzter Pflichtspieltreffer gelang dem 28-Jährigen im Dezember 2014. In der vergangenen Saison traf er in der deutschen Bundesliga in 16 Einsätzen für Hoffenheim und Absteiger Hannover nie ins Schwarze.

Szalais Zukunft ist ebenso offen wie jene von Dzsudzsak. Ungarns Kapitän hat bei Bursaspor zwar noch bis 2019 Vertrag, soll sich aber bereits mit Al-Wahda aus Abu Dhabi einig sein. Über Vertragsangelegenheiten wird während der EM bei den Ungarn nicht gesprochen. "Das erste Spiel ist für uns ganz wichtig", betonte Dzsudzsak, der seinen Vorschusslorbeeren endlich auch auf internationaler Ebene gerecht werden will.

Die neuen gefeierten Talente der Ungarn heißen Laszlo Kleinheisler (22) und Adam Nagy (20). Erster war bei Werder Bremen zuletzt der Ersatzmann für ÖFB-Spielmacher Zlatko Junuzovic. Letzterer gilt nach einer starken Saison bei Meister Ferencvaros Budapest als Kandidat für den Wechsel in eine europäische Topliga. Die EM soll als Sprungbrett dienen.