Ausnahmezustand bei der Viennale

Viennale 2008

1 Das Viennale-Programm 2008, laut Festivaldirektor Hans Hurch „riskanter als in den letzten Jahren“, hält nur seinen etablierten Kurs. Allerdings auf hohem Niveau.

Österreichs größtes internationales Filmfest, das ab Ende dieser Woche erneut zwölf Tage lang sechs Innenstadtkinos bespielen wird, stellt im österreichischen Kulturbetrieb eine Anomalie dar: Die Viennale ist populär, ohne sich anzubiedern, erfolgreich gerade in ihrem Desinteresse an ästhetischen Kompromissen. Offensichtlich wird gerade die filmische Komplexität von der breiten Basis der Viennale-Stammkundschaft goutiert: Dieses Festival ist die Ausnahme, mit der sich die Regel vom übersimplifizierten Kinonormalbetrieb bestätigen lässt. Es klang daher ein wenig seltsam, als Viennale-Direktor Hans Hurch sein mittlerweile zwölftes Filmpaket als entschieden „riskanter“ als die Programme der Vorjahre beschrieb. Nun scheinen etwa in der Auswahl für das Festival-Flaggschiff, das Gartenbaukino, tatsächlich weniger prominente Regienamen denn je auf: Aber auf bekannten Namen basiert der nachhaltige Erfolg der Viennale ohnehin gerade nicht; er fußt vielmehr auf dem (begründeten) Vertrauen, Entdeckungen machen zu können, in der geschützten Festivalwerkstätte Filme vorgeführt zu bekommen, die im Kino regulär keine Chance hätten. Als „Risiko“ müsste in diesem Rahmen allenfalls eine Kurskorrektur in Richtung Mainstream gelten.