Ausnahmezustand bei der Viennale

Viennale 2008

4 Die Viennale 2008 setzt langjährige Leitmotive fort: globalisierte Arbeits- und Emigrationsgeschichten – und eine Fixierung aufs intim Familiäre.

Auch thematisch widersetzt sich die Viennale dem Mainstream: Das alles überstrahlende Thema dieser Tage – die Kreditkrise – bleibt weitgehend ausgeblendet (abgesehen von Erwin Wagenhofers „Let’s Make Money“, siehe dazu S. 41), nur in Ansätzen wird der Alltag in Amerikas Misere ins Auge gefasst (etwa in Kelly Reichardts lyrisch-realistischem Indiekino-Hit „Wendy and Lucy“). Aber ein Filmfestival funktioniert nicht tagesaktuell, man pflegt langjährige Leitmotive: Geschichten von Fremdarbeit und Emigration etwa (in Miguel Gomes’ Filmen und der mexikanischen Slackerstudie „Lake Tahoe“ sowie in „Le Silence du Lorna“ der Brüder Dardenne) oder sensibel beobachtete Familienstudien (wie in „Aruitemo Aruitemo“ vom japanischen Meister Koreeda Hirokazu und in Arnaud Desplechins schillerndem Sippenspiel „Un Conte de Noël“).