Jörg Haider: „Ich war immer da“

Landeshauptmann Jörg Haider über seinen Herausforderer Peter Ambrozy, die Privilegien seiner Wahlkampf-Unterstützer und die künftige „Kärnten-Filiale“ von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

profil: Sie haben Ihren bislang moderatesten Wahlkampf geführt. Kommt diese Woche noch etwas Untergriffiges nach – oder war’s das?
Haider: Wir haben auch 1999 schon einen sehr sachbezogenen Wahlkampf geführt, und es gibt keinerlei Grund, diesen Stil zu ändern.
profil: Einst sind Sie gegen die roten Privilegienritter zu Felde gezogen. Jetzt lassen Sie selbst welche für sich werben: Günther Willegger, den roten Nationalbank-Chef mit dem höchsten Pensionsanspruch aller Kärntnerinnen und Kärntner, oder Erwein Paska, den roten Arbeiterkammer-Direktor mit Doppelbezug.
Haider: Die haben ihre Privilegien erfreulicherweise durch meinen Kampf schon reduzieren müssen. Der eine hat seine Doppelbezüge stillgelegt, und der Nationalbank-Direktor fällt unter das neue Regime, das die Nationalbank festgelegt hat, nachdem wir deren Privilegien aufgedeckt haben.
profil: Ihr Wahltipp?
Haider: Wir werden knapp, aber spürbar vorne sein. Ich habe fünf Jahre lang bewiesen, dass ich auch in schwierigen Situationen Lösungen für das Land finden kann, während andere dazu neigen, Schönwetter-Politiker zu sein, die immer dann in Erscheinung treten, wenn es was zu eröffnen oder Buffets zu besuchen gilt. Ich war immer da. Vor allem wenn es Schwierigkeiten gegeben hat. Und das rentiert sich, die Leute sehen: Der kämpft für uns dann, wenn es Probleme gibt. Und die Menschen haben sich ja auch mit den Alternativen, die sich anbieten, auseinander gesetzt und erkennen, dass Kärnten nur mit mir gewinnen kann.
profil: Ihr Plakatslogan „An Bessern kriag ma nimma“ klingt aber doch eher defensiv.
Haider: Er trifft die Gefühlslage der Kärntner Bevölkerung. Der Vergleich macht sie sicher.
profil: Wie gefällt Ihnen die Wahlkampagne Ihres Herausforderers Peter Ambrozy?
Haider: Er hat keine einheitliche Linie. Und er wird im Finale von seinen Parteifreunden aus dem Verkehr gezogen, denn in den Bezirken plakatieren sie jetzt überall die regionalen Kandidaten. Ambrozy verschwindet völlig aus dem Blickfeld.
profil: Die Kärntner ÖVP liegt in den Umfragen derzeit bei 16 bis 18 Prozent. Ist es eine Genugtuung für Sie mitzuerleben, wie es die Kärnten-Filiale von Wolfgang Schüssel zerbröselt?
Haider: Ich weiß nicht, ob das je eine Filiale von ihm war. Aber Wolfgang Schüssel wird nach dem 7. März sicher die Gelegenheit dazu haben, daraus eine Filiale von ihm zu machen.
profil: Gehen Sie davon aus, dass die ÖVP Sie wählen wird, wenn Sie Erster werden?
Haider: Ich gehe davon aus, dass alle Parteien demokratische Entscheidungen respektieren.
profil: Wenn Sie Zweiter werden, würden Sie sich zum Landeshauptmann von Wolfgang Schüssels Gnaden machen lassen?
Haider: Ich habe so einen Ausdruck nie gebraucht, auch damals nicht, als ich Schüssel vom dritten Platz zum Bundeskanzler verholfen habe.
profil: Wenn man Ihren Wahlkampf verfolgt, gewinnt man den Eindruck, Sie hätten mit der schwarz-blauen Bundesregierung in Wien überhaupt nichts zu tun.
Haider: Das kann man so nicht sagen. In jeder Rede kommt die Steuerreform vor. Da referiere ich über dieses gelungene gemeinsame Projekt. Und bei der Pensionsreform sage ich dazu, dass wir von Kärnten aus eine Lösung erzwungen haben.
profil: Die Kärntner FPÖ hat ihre Parteienförderung bis zum Jahr 2014 verpfändet, um sich diesen aufwändigen Wahlkampf leisten zu können. Wie wollen Sie denn da in den nächsten Jahren finanziell über die Runden kommen?
Haider: Ich sehe da überhaupt kein Problem. Die FPÖ hat gemacht, was jede Partei macht: Sie hat eine Sicherstellung angeboten. Wir haben das Geld nicht verpfändet. Bei den anderen Parteien wird das auch nicht anders laufen. Die künftig strengeren Kreditbedingungen werfen eben schon ihre Schatten voraus. Da müssen natürlich alle ihre Sicherheiten einbringen.
profil: Haben Sie noch andere politische Ambitionen außer jener, wieder Landeshauptmann zu werden?
Haider: Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, dass ich, wenn ich zum Landeshauptmann gewählt werde, wieder fünf volle Jahre für das Land zur Verfügung stehe. Ich habe das auch bislang so gehandhabt, mit allen Konsequenzen – was meine eigene Partei nicht sehr gefreut hat.
profil: Das heißt, Sie wollen nicht wieder Chef der Bundes-FPÖ werden?
Haider: Ich werde fünf Jahre Landeshauptmann sein – unter den gleichen Bedingungen wie jetzt. Und ich werde mich ausschließlich den Aufgaben in Kärnten widmen.