kanon

2 Tokyo monogatari / Die Reise nach Tokio

Yasujiro Ozu, Japan 1953

Wie schön das Einfachste sein kann, lehren die Filme des Japaners Yasujiro Ozu. Ozu hat, ganz grundsätzlich, nichts Großes zu erzählen, er vertraut stattdessen, hier und anderswo, lieber den kleinen Dingen, den Dingen des Lebens und des Lebensendes: der Routine des Werktätigen, der Scheu der Mädchen vor dem ersten Rendezvous oder dem Zorn der Kinder, die erst noch lernen müssen, sich in die Gesellschaft einzugliedern. „Die Reise nach Tokio“ beschreibt nichts weiter als den Besuch eines alt gewordenen Ehepaars bei dessen Kindern und Enkeln in der großen Stadt – und wie der Tod und die Einsamkeit sie alle einholt. Ozus durchaus pessimistisches Resümee zum Traditionssystem Familie: „Die Essenz einer Weltsicht, eines Stils, einer Erfahrung mit Film“, schreibt Harry Tomicek über diese wunderbare, so melancholische Arbeit, der Ozu selbst unter seinen eigenen Filmen übrigens stets den Vorzug gab.