kanon

3 Chelovek s kinoapparatom / Der Mann mit der Kamera

Dziga Vertov, Sowjetunion 1929

Was genau passiert, wenn ein Mensch seinen Gesichtssinn um eine Filmkamera erweitert, sein Auge mit der Kinomaschine bewaffnet, ist gedankliches Zentrum dieser berühmten Arbeit Dziga Vertovs: Ganz im Sinne des russischen Konstruktivismus schließt sich Vertov mit der urbanen Welt der späten zwanziger Jahre kurz, verfremdet, verdichtet, beschleunigt und denaturiert seine dokumentarischen Bilder vorsätzlich, zum Spaß und zur Information. So zieht Vertov mit Kameramann Michail Kaufman durch die Stadt, zerlegt Alltagsimpressionen, wo sie sich ihm bieten, eilig in ihre Einzelteile, um diese ganz unorthodox wieder zusammenzusetzen als prismatisches Kinobild vom Leben der Bürger in einer der Raserei überantworteten industriellen Welt. „Der Mann mit der Kamera“ ist ein radikal experimentierfreudiges Werk, eine Hymne an die Maschinen im Allgemeinen und an den Kinoapparat im Besonderen: ein revolutionärer Film, in jedem Sinn.