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Superstar: Cecilia Bartoli, 37


Nicht Anne Sofie von Otter, nicht Jennifer Larmore, nicht Magdalena Kozená – Cecilia Bartoli ist der einzige unbestrittene Superstar der neuen Sängergeneration. Wenn die Römerin mit den braunen Knopfaugen und dem Kussmund einen Konzertauftritt ankündigt, sind die Karten binnen Stunden vergriffen. Und das, obwohl die wahrscheinlich höchstdotierte Stimme der Branche statt der üblichen Schubert-Schumann-Brahms-Mahler-Strauss-Abende lieber Unbekanntes von Vivaldi, Gluck oder Salieri präsentiert. Wenn Bartoli ihren Mezzo anwirft, gerät ihr ganzer Körper in Bewegung; ihr rubinrotes Timbre treibt selbst den halsbrecherischsten Koloraturen jede artifizielle Kälte aus. Bartoli ist – Mama Silvana, Fiat Cinquecento und Pudel Figaro inklusive – so sehr Italienerin, dass man es schon fast für einen Marketing-Gag halten könnte: stets fröhlich, frech und unbeschwert. Sie ist die Diva von nebenan, die Antithese zum Startum alter Couleur. Zwar fehlt ihrer Stimme das füllige Forte, um so überdimensionale Häuser wie die New Yorker Met mühelos beschallen zu können. Doch wenn Bartoli zirzensische Stimmakrobatik mit glühendem Ausdruckspathos verschweißt, reichert sie die Klassik um einen ungewohnten Mehrwert an: Spaß.