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Golf statt Rugby: Bryn Terfel, 38


1992 buchte Intendant Gérard Mortier den damaligen Nobody für die „Salome“-Premiere bei den Salzburger Festspielen. Zwei Jahre später sang sich Terfel mit seinem Debüt an der Metropolitan Opera gleich auf die Titelseite der „New York Times“. Terfel musste nicht jahrelang durch die Provinz tingeln, er kam gleich ganz groß raus. Der Waliser steht prototypisch für Sängerkarrieren der Gegenwart: Weniger ist mehr. Den „Falstaff“ in München stornierte Terfel ebenso wie jenen bei den Salzburger Osterfestspielen (2001), auch aus dem „Fliegenden Holländer“ am Londoner Covent Garden wurde nichts. „Meine Frau war schwanger“, erklärt Terfel schulterzuckend. „Da wollte ich bei ihr sein.“ Zwar spielt der Waliser inzwischen kein Rugby mehr (sieben Nasenbrüche), sondern verbessert sein Golf-Handicap. Doch sonst lässt er sich vom Opern-Business nicht unter Druck setzen: Familie statt Hotel-Einsamkeit, Sommerurlaub statt Sommerfestivals, eine Farm in Wales statt eines Penthouse in New York.

Sein Rollenrepertoire erweitert Terfel nur langsam. Dabei wäre sein kräftiger, eleganter Bariton für sehr viel mehr Partien geeignet als bloß jene, die er nun schon seit zehn Jahren im Reisekoffer führt. Bis es so weit ist, vertreibt sich der Popfan die Zeit als Duettpartner von Shirley Bassey oder Tom Jones.