klassik

Hundertmeterlauf: Vesselina Kasarova, 38


1965 Kasarova wird in Stara Zagora, Bulgarien, geboren.

1969 Die Vierjährige erhält Klavierunterricht. „Ich denke, ich bin gerade deshalb ziemlich stark, weil ich arm gelebt habe“, wird Kasarova später sagen. „Ich habe Disziplin

gelernt.“ Sie wird in jedes Hotelzimmer der Welt ein kleines Keyboard mitnehmen, um überall üben zu können. Sie wird 1999 genervt sagen: „Ich war jetzt wochenlang in Barcelona und habe nichts von der Stadt gesehen. Ich kann es mir nicht erlauben, in ein Museum zu gehen, weil mich das zu müde macht.“

1984 Klavierdiplom. Kasarova beginnt zu singen.

1988 Erste Auslandsreise. „In Bulgarien musste man sich fügen, ohne Fragen zu stellen. Mir sagte man 1988 plötzlich, dass ich nach Salzburg reisen müsse, um vorzusingen. Dass es Karajan war, der mich hören wollte, erfuhr ich erst, als ich dort war.“

1989 Das kommunistische Regime Bulgariens bricht zusammen. Kasarova wird Mitglied der Zürcher Oper.

1992 Bei den Salzburger Festspielen gelingt ihr der internationale Durchbruch. Die Kritik ist sich einig: Keine trauert schöner. Werthers Charlotte treibt sie Takt um Takt weiter in die Verzweiflung hinein, ihr Sesto („La Clemenza di Tito“) verliert vor Seelenschmerzen fast den Verstand. Am Ende jeder Vorstellung ist Kasarova ausgebrannt: „Es ist wie ein Hundertmeterfinale: Du musst alles geben.“

2004 Kasarova lebt in einem idyllischen Dorf nahe Zürich, das sie nur zu besonderen Anlässen verlässt: Die Frau mit dem vielleicht vielschichtigsten Mezzo der Welt drosselt ihre Karriere auf 50 Auftritte pro Jahr.