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Der Beau: Juan Diego Flórez, 30


Wie jedem normal entwickelten Teenager graute Juan Diego Flórez vor der Oper. Er spielte lieber Gitarre in einer Popband und zog als Sänger durch die Pianobars von Lima. Bis der schlanke Peruaner mit den edlen Gesichtszügen ein Stipendium am Curtis Institute in Philadelphia erhielt. „Ich hatte noch nie eine Oper gesungen, auch keine großen Arien, nichts“, erzählt er. „Sie haben mich einfach sofort für Aufführungen eingeteilt.“ Denn Flórez verfügt über ein Organ, das der Opernwelt bitter fehlte: einen schlanken, agilen Belcanto-Tenor. Statt Verdi-Partien zu schmettern, bestellt Flórez den Mutterboden italienischen Schöngesangs: die Opern Rossinis, Bellinis und Donizettis. Er sprang 1996 beim Rossini-Festival in Pesaro ein, um eine Oper zu singen, deren Partitur er noch nie zuvor gesehen hatte („Matilde di Shabran“). 1997 lernte der 24-Jährige in nur sechs Tagen eine ganze Donizetti-Oper auswendig, um dem Londoner Covent Garden aus der Bredouille zu helfen. Mit schier endlosem Atem reiht er Tongirlande an Tongirlande und schiebt seine metallisch gleißende Stimme mühelos zum hohen A, B, C hinauf. Man wird Luciano Pavarotti vielleicht nicht lange vermissen müssen.