klassik

Dream Team: Roberto Alagna, 37; Angela Gheorghiu, 39


1996 läuteten die Hochzeitsglocken. Roberto Alagna, der sizilianische Emigrant, der sich das Singen anhand von Schallplatten angeblich selbst beigebracht hat, und Angela Gheorghiu, die russische Diva mit dem Spitznamen „La petite Draculette“, gaben einander in New York das Jawort. Noch am selben Abend standen Braut und Bräutigam in „La Bohème“ gemeinsam auf der Bühne der Met; als Mimi hüstelnd in den Armen Rodolfos ihr Leben aushauchte, war das Auditorium zu Tränen gerührt. Mit Alagna und Gheorghiu unternahm das Label EMI noch einmal den Versuch, Klassik-Stars traditionellen Zuschnitts zu kreieren: Er wurde auf Plakatwänden aggressiv als der „Vierte Tenor“ vermarktet, sie leistete sich selbst gegenüber Groß-Dirigenten wie George Solti schnippische Capricen und meinte zu Journalisten bloß: „Ich bin Sängerin. Ich kann kein normaler Mensch sein.“ Während EMI andere Künstler reihenweise vor die Tür setzte, wurde in das singende Liebespaar großzügig investiert: Mindestens zwei Operngesamteinspielungen mit Alagna/Gheorghiu kamen per annum auf den Markt, von denen Massenets „Werther“ wohl die schönste ist. Kultstatus wie das Vorbild-Duo Maria Callas/Giuseppe di Stefano erreichten die beiden trotz allem nicht. Während Gheorghius glockenreiner Sopran noch immer sanft strömt und ein Pianissimo hauchend bis zu den hintersten Sitzreihen zu transportieren vermag, wirkt Alagnas Tenor beim Schub in heikle Spitzen deutlich gebremst. Die lautstarke Hoffnung auf den „Vierten Tenor“ zerplatzte so leise wie eine Seifenblase.