klassik

Der Querkopf: Angela Denoke, 41


Sie steht bei keiner Plattenfirma unter Exklusivvertrag, hat keine eigene Homepage und meidet Szenepartys: „Ich habe schon Empfänge erlebt, wo man nur beieinander sitzt, weil es so sein soll“, sagt sie und setzt trocken nach: „Damit habe ich Schwierigkeiten.“ Ungerührt führt Angela Denoke der Klassik-Welt vor, dass man auch gegen die Gesetze des Marketings Karriere machen kann. Nicht, dass die Deutsche mit den blauen Augen ihre Zukunft dem Schicksal überlassen hätte: Am Ulmer Stadttheater arbeitete sich die Sopranistin an 120 Abenden pro Jahr durch das Standardrepertoire, an der Stuttgarter Oper stemmte sie unter der Intendanz von Klaus Zehelein die großen Partien: Strauss’ Marschallin, Mozarts Donna Elvira und Wagners Sieglinde. Denoke rückte die Karriere ins Zentrum ihres Lebens – allerdings sollte diese nicht nach dem Regelwerk ihrer Manager verlaufen, sondern nach den altmodischen Gesetzen der Kunst. Wer Denoke hören will, muss sich auch nach ihrem internationalen Durchbruch bei den Salzburger Festspielen 1998 („Katja Kabanowa“) ins Opernhaus bequemen – auf CD liegen nur vier Einspielungen vor. Und das ist bei dieser Schauspiel-Sängerin gar nicht so schlecht: Denn wenn Denoke zu spielen beginnt, erwachen selbst verstaubteste Opernfiguren plötzlich zum Leben.