klassik

Die Ich-AG: José Cura, 41


Der Mann macht sich nichts vor. „Ich wurde von Gott auserwählt, diese Arbeit zu machen“, sagt José Cura, der vor jedem Bühnenauftritt betet: „Hier bin ich, mein Gott, singe durch mich.“ Im Anschluss legt sich der Argentinier entsprechend rückhaltlos ins Zeug: Im Rausch des Belcanto entblößte der ehemalige Fitnesstrainer im Wiener Konzerthaus seine Brust, als Verdis eifersüchtiger Otello erinnert er an den jungen Marlon Brando. Cura will keiner der handelsüblichen Tenöre sein, die jeden Abend ihr Arienpaket abliefern, artig lächeln und ihren PR-Agenten keinen Wunsch abschlagen: Der Protegé von Placido Domingo tritt seit drei Jahren als Ich-AG in Erscheinung. Er dirigiert, managt und produziert sich selbst, in Hinkunft will der Mann auch mehr fotografieren und komponieren. „Wenn man seine Karriere nicht unter Kontrolle hat, wird man von den Labels, den Opernhäusern und den Medien aufgefressen“, sagt er. Doch Curas eigenes Label Cuibar erscheint praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, als Dirigent musste sich der Querkopf bislang mit Höflichkeitsbezeugungen der Kritik begnügen. Die Klassik-Branche, so scheint es, verzeiht Autonomiebestrebungen nicht.