Kleines Finanzlexikon zur Wirtschaftskrise:
Von A wie Angst bis zu Z wie Zinsen

L

LEERVERKAUF

Die bevorzugte Methode des professionellen Zockers, Aktienkurse zu manipulieren – an zivilisierten Handelsplätzen mittlerweile verpönt, wenn nicht verboten. Das Prozedere ist ganz einfach: Man verkauft Aktien, die man nicht besitzt. Das ist technisch möglich, weil zwischen dem Verkauf und der tatsächlichen „Lieferung“ von Wertpapieren in aller Regel bis zu drei Handelstage liegen. Man muss also nur darauf achten, dass man die fremden Aktien, die man am Montag um 100 Euro vertickt hat, bis Mittwoch um weniger als 100 Euro aufstellt. Die Differenz wäre dann der Gewinn. Das kann gut gehen, aber auch böse nach hinten los. Kleinanleger verlieren ­dabei freilich immer, weil jeder Verkauf, leer oder nicht, den Kurs zwangsläufig drückt. Im angelsächsischen Raum nennt man die Methode übrigens auch „naked short selling“, was man sehr frei mit „nackt bis auf die Unterhose“ übersetzen könnte.