Kleines Finanzlexikon zur Wirtschaftskrise:
Von A wie Angst bis zu Z wie Zinsen

A

ANGST

In existenzbedrohenden ­Situationen ist sie für Menschen ein Selbstschutz­mechanismus, gefiltert durch den angeborenen Überlebensinstinkt. Im ­Finanzkontext dagegen stellt sie ein self-fulfilling paradoxon dar: Mit unfehlbarer Treffsicherheit tritt ein, wovor man sich am meisten fürchtet – wenn man sich nur heftig genug davor fürchtet. Nach dieser Logik hat die Angst vor dem (→) Crash ihn geradezu herbeigeführt. So wie unstillbare (→) Gier der Treibstoff des (→) Turbokapitalismus war, so besiegelte galoppierende Panik dessen Ende. Ihrem tendenziell irrationalen Kern zum Trotz kann die Angst durchaus eine Eigendynamik entwickeln und – höchst reale – Fakten schaffen, die durch den Verweis auf ihre halluzinatorische Herkunft nicht mehr zu relativieren sind.