Kleines Finanzlexikon zur Wirtschaftskrise:
Von A wie Angst bis zu Z wie Zinsen

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VERTRAUEN

Bertolt Brecht hielt nicht allzu viel davon. „Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird“, befand der deutsche Dramatiker. Das klingt schlüssig, erklärt aber auch nicht hinreichend, was derzeit auf dem Finanzmarkt los ist. Bekanntlich wird kaum noch Geld verliehen, weil die Banken weder einander noch den potenziellen Kunden über den Weg trauen. Das ist insofern originell, als es ja die Banken waren, die das Chaos ausgelöst haben. Wenn nun die Damen und Herren Finanzmanager über ihr verschwundenes Urvertrauen klagen, ist das etwa so, als würde ein ­Taschendieb nicht mehr U-Bahn fahren, weil dort so viel geklaut wird. Was allerdings auch Brecht nicht bedachte: Zu viel Vertrauen kann gefährlich sein – gar keines ist existenzbedrohend.