Kleines Finanzlexikon zur Wirtschaftskrise:
Von A wie Angst bis zu Z wie Zinsen

D

DERIVAT

Eine der obskursten Ausprägungen des mensch­lichen Spieltriebs. Im Grunde sind Derivate (oder auch Termingeschäfte) nichts anderes als verschärfte Wetten auf alles Mögliche: Preise, Kurse, (→) Zinsen, Konjunktur, Ernten, Schweinebäuche, Wetterphänomene – oder schlicht die Zahlungsmoral. Plakatives Beispiel: A hat einen Kredit laufen, seine Hausbank will das Ausfallsrisiko begrenzen. Sie schließt als so genannte ­Sicherungsnehmerin ein Kreditderivat („Credit ­Default Swap“) mit einer anderen Bank, der Sicherungsgeberin. Kann A seine Schulden am Ende der Laufzeit nicht bezahlen, verliert seine Bank zwar am Kreditgeschäft mit ihm, gewinnt aber andererseits die Wette mit der Sicherungsgeberin. Diese wiederum hat sich mit weiteren Wetten bei anderen Banken abgesichert – was dazu führt, dass am Ende einer langen Kette niemand mehr genau weiß, worum es ursprünglich ­eigentlich ging.