KLICK: Vier Beispiele des Raucherlebens:
Dieter Chmelars 'orales Vermissungserlebnis'

Dieter Chmelar, 51

Bereits mit zwölf Jahren wurde der Journalist und Moderator von seinem Vater beim Rauchen erwischt. „Als mir daraufhin das Taschengeld gestrichen wurde, habe ich auf dem Schulhof Karikaturen von Lehrern gegen Zigaretten getauscht“, erzählt Chmelar. Nach 35 Jahren und täglich zwischen 40 und 50 Zigaretten beschloss er aus Rücksicht auf seine Frau sowie der „wissenschaftlich erhärteten Vermutung, wonach Zigaretten nicht vitaminhältig“ sein sollen, aufzuhören. Hypnose, Akupunktur und das Medikament Cyban prallten an ihm „haupt- und nebenwirkungsfrei“ ab. Außerdem muteten ihn die rauchfreien Erlebnisse „befremdlich“ an. „Ich hatte plötzlich viel mehr Zeit, viel mehr Luft und einen drastisch lebhafteren Geruchs- und Geschmackssinn“, so Chmelar. Menschen rochen plötzlich „eigenartig“ und Speisen waren plötzlich „boshaft überwürzt“. Letztlich litt er jedoch vor allem unter einem „oralen Vermissungserlebnis“. Zudem seien viele „Unsympathler, Ungusteln und Unmenschen“ strikte „naturverbundene Asketen“ – die deshalb auch noch meistens sehr alt werden würden. Seine „Lieblingsgestalten“ wie Friedrich Torberg, Curd Jürgens oder Manfred Deix erkenne er allein an der Zigarettenmarke: „Ich wusste, ich kann nicht so viel rauchen, um sie zu erreichen. Aber ohne zu rauchen, schien es mir völlig aussichtslos.“

WEITER: Kathia Deninger