Mensch des Jahres 2009

I. Vaterlos

Barack Obamas Herkunft und die Brüche in seiner Vita machen ihn zu einem Symbol für die globalisierte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

„Barry? Barry, bist du’s?“ „Ja … Wer spricht da?“ „Barry, hier ist deine Tante Jane aus Nairobi. Kannst du mich hören?“ „Wie bitte, wer ist da?“ „Tante Jane. Hör zu, Barry, dein Vater ist gestorben. Er hatte einen Verkehrsunfall. Hallo? Kannst du mich hören?“ Barry ist Barack Obama, ein junger Mann von 21 Jahren. Sein Vater hat die Familie verlassen, als Barack zwei Jahre alt war. Jetzt hat er ihn für immer verloren.

Der Verlust des Vaters, den er kaum kannte, ist das vielleicht prägendste Erlebnis im Leben von Barack Obama. Jedenfalls beginnt er damit das erste Kapitel seiner Autobiografie, deren Originaltitel „Dreams from My Father“ lautet – Träume von meinem Vater. Einmal besucht der Vater, ein gebürtiger Kenianer, der an der Universität von Hawaii Wirtschaftswissenschaften studiert hat, die Familie für einen Monat auf Hawaii. Barack ist zu dieser Zeit im Schulalter. Er kann mit dem unerwartet auftauchenden Vater, der ebenso plötzlich wieder abreist, nichts anfangen. Ebenso wenig mit den Briefen, die er später unregelmäßig von ihm erhält. Als Barack an der Highschool ist, lässt er den Kontakt zum Vater ganz ab-reißen.