Mensch des Jahres 2009

V. Die Farbe des Geldes

Dafür hat Barack Obama offenkundig schon vorgebaut: „Es gibt keine schnellen oder einfachen Lösungen für diese Krise, und es wird wahrscheinlich schlimmer werden, bevor es besser wird“, prophezeite er kürzlich den Amerikanern. Welchen wirtschaftspolitischen Kurs Obama abseits der Krisenbewältigung einschlägt, ist derzeit noch nicht klar abzusehen. „Barack Obamas Wahlkampfrhetorik hinterließ den Eindruck eines Zerrissenen, was die Handelspolitik betrifft, und er hat bislang nichts getan, um das zu zerstreuen“, schalt ihn etwa das angesehene Nachrichtenmagazin „The Economist“ in seiner Weihnachtsausgabe. Bei vielen Themen, etwa beim Freihandel, hatte sich Obama vor seinem Wahlsieg deutlich links gegeben. Jene Berater, die auf dieser Linie lagen, spielen im Präsidententeam jedoch keine tragende Rolle mehr. Lawrence Summers, der künftige Leiter des Nationalen Wirtschaftsrats etwa, hat sich in der Clinton-Zeit als Befürworter dere-gulierter Finanzmärkte hervorgetan. Allerdings hat inzwischen auch er seine Haltung geändert und spricht sich für eine stärkere staatliche Kontrolle aus. Es wird wohl viel daran liegen, wie entschlossen und schnell Obama in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit handelt. An den politischen Rahmenbedingungen sollte er nicht scheitern: Sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat, den beiden gesetzgebenden Kammern der Vereinigten Staaten, verfügen seine Demokraten über klare Mehrheiten – die republikanische Opposition kann seinen Handlungsspielraum also kaum beschränken und würde es angesichts der ernsten Situation vorerst wohl auch kaum tun. Wenn die Krise mit politischen Mitteln zu bewältigen ist, dann stehen die Chancen Obamas gut.