Mensch des Jahres 2009

VI. Zweiter Vorname: Hussein

Wie sein Vorgänger George W. Bush wird sich Obama intensiv mit dem Islam beschäftigen müssen. Sein Vorteil: Er weiß, womit er es zu tun hat.

Barack Hussein Obama: Der rechtskonservative Nachrichtensender Fox News machte im Wahlkampf wochenlang eine Strategie daraus, den Mittelnamen des demokratischen Präsidentschaftskandidaten besonders zu betonen. Gleichzeitig setzten republikanische Spin-Doktoren das Gerücht in Umlauf, Obama sei als Kind in einer Koranschule ausgebildet worden. Dann wurde – diesmal angeblich aus dem Umfeld der parteiinternen Konkurrentin Hillary Clinton – auch noch ein Foto in Umlauf gebracht, das ihn bei einem Besuch in Kenia in moslemischer Tracht zeigt: mit weißem Turban und dem Wickelrock.

All diese Versuche zielten darauf ab, Obama als Krypto-Islamisten zu punzieren. In den USA konnten sie ihm bekanntlich nicht schaden. Im Rest der Welt könnten sie sich nun zudem als unschätzbarer Vorteil erweisen. Es gibt Spekulationen, dass Obama schon frühzeitig in seiner Amtszeit ein moslemisches Land besuchen wird, um damit einen symbolischen Akt der Annäherung an den Islam zu setzen. Manche Beobachter tippen auf Indonesien. Nicht nur, weil der neue US-Präsident dort einen Teil seiner Kindheit verbracht hat, sondern auch deshalb, weil der südostasiatische Inselstaat für einen weitaus entspannteren Umgang mit der Religion bekannt ist als etwa der Nahe Osten.