Mensch des Jahres 2009

VI. Zweiter Vorname: Hussein

Zwar wurde auch Indonesien von schweren Terroranschlägen getroffen, beispielsweise den Bombenattentaten von Bali mit über 200 Toten im Jahr 2002. Es fehlt aber die Radikalisierung durch regionale Konflikte, die etwa den arabischen Raum prägt – und damit auch die gängige, klischeehafte Ikonografie der Gewalt. In Indonesien könnte Obama das beginnen, was er nicht nur als Nachfolger von George W. Bush und dessen erkennbar auch christlich überformter Weltpolitik wohl in Angriff nehmen muss: die Neudefinition des Verhältnisses zum Islam. Auch hier sind die Erwartungen hoch, wenn nicht gar überhöht – besonders, was den wohl wichtigsten Teilaspekt in diesem Zusammenhang betrifft, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Die Gaza-Krise war kaum ausgebrochen, da machten sich Kommentatoren in aller Welt bereits Gedanken darüber, wie der neue US-Präsident sie wohl in den Griff zu bringen gedenke: „Eine Lösung hängt vor allem von Barack -Obama ab, das kann niemand bestreiten“, schrieb stellvertretend für viele die konservative französische Tageszeitung „Le Figaro“. Der Angesprochene selbst machte vorerst aber keine Anstalten, sich zu dieser Frage zu äußern. Bis zum Inaugurationstag vom 20. Jänner sei es immer noch der formell im Amt befindliche George W. Bush, der für Amerika spreche, ließ Obama über seine Berater ausrichten. Dass sich die Linie seiner Regierung in der Palästinenser-Frage maßgeblich von jener seiner Vorgänger unterscheiden würde – etwa durch eine verminderte Parteinahme für Israel –, ist bislang zudem nicht zu erkennen. Im Wahlkampf hatte Obama klar und deutlich Position bezogen: Er erwarte sich nicht von Israel, dass es Verhandlungen mit der radikalen Hamas aufnehme, die jüdische Siedlungen im Grenzgebiet zum Gaza-Streifen permanent mit selbst gebastelten Raketen beschießt. Und er befürworte Vergeltungsschläge dagegen: „Wenn jemand Raketen in mein Haus schießt, wo meine beiden Töchter schlafen, werde ich alles in meiner Macht Befindliche tun, um das zu stoppen. Ich erwarte, dass die Israelis das Gleiche tun“, sagte Obama bei einem Israel-Besuch im vergangenen Juli. In die gleiche Richtung weist die Tatsache, dass er mit Hillary Clinton eine Außenministerin ernannt hat, die nie ein Hehl daraus machte, dass sie auf der Seite Israels steht. Wie sich dieser Nahost-Konflikt im Jahr 2009 auch immer entwickelt und wie auch immer die US-Regierung sich dabei verhält: Die Aufmerksamkeit der Welt wird sich auch in dieser Frage auf Barack Obama richten.