Mensch des Jahres 2009

I. Vaterlos

Jahre später, nach dem Tod des Vaters, reist Barack Obama nach Kenia, um sich mit seiner Herkunft auseinanderzusetzen. Es gelingt ihm auf eine fast metaphysische Weise. Er sieht seinen Vater in den Kenianern um ihn herum, und Barack schreibt: „Der alte Herr ist da, denke ich, auch wenn er nichts zu mir sagt. Er ist hier, er will, dass ich verstehe.“

Barack Obama lernt die Geschichte seines Vaters und seiner Großeltern kennen, deren Land und damit auch seine afrikanischen Wurzeln. Erst als er am Grab des Vaters dessen innere Zerrissenheit nachvollziehen kann, gelingt es dem Sohn, selbst innere Ruhe zu finden – und eine Gelassenheit, die zu einem Charakterzug wird und schließlich zu einem Markenzeichen, das in kaum einem Porträt unerwähnt bleibt.

Es sind auch die Brüche in der Vita von Barack Obama, die wesentlich zu seiner Attraktivität beitragen – nicht zuletzt, indem sie den Antagonismus zu seinem ungeliebten Vorgänger George W. Bush verstärken: Letzterer hatte immerhin einen US-Präsidenten zum Vater, er kam mit dem Rückhalt einer mächtigen, alteingesessenen Politikerdynastie zu Amt und Würden und blieb dabei dennoch ein Kleinbürger aus der texanischen Provinz.

Obama hingegen schaffte es quasi aus dem Nichts heraus ins Weiße Haus: die politische Variante des amerikanischen Mythos vom Tellerwäscher, der zum Millionär wird. Er stammt aus einer zerrissenen, über mehrere Kontinente verstreuten Familie und verkörpert damit auch die globalisierte Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.