Mensch des Jahres 2009

II. Der Mann, der inhalierte

Es gibt Dinge, die ein US-Präsidentschaftskandidat unter keinen Umständen darf: zugeben, dass er Drogen konsumiert hat, zum Beispiel. Barack Obama tat genau das.

Eigentlich hätte Barack Obama niemals für das Amt des US-Präsidenten kandidieren können. Das liegt nicht an seiner Hautfarbe und auch nicht an seinem eigenartigen Namen, sondern an einem Geständnis in seiner Autobiografie „Ein amerikanischer Traum“ aus dem Jahr 1994: Darin berichtet er offen über seine Drogeneskapaden als Highschool-Schüler auf Hawaii. Sein bester Freund Ray hatte die Insel verlassen, der pubertierende Barack fühlte sich verloren, heimatlos und war frustriert. Er begann, mit Drogen zu experimentieren, um seinen Kopf frei zu bekommen. „Haschisch hatte geholfen, Alkohol, manchmal Kokain, wenn man das entsprechende Geld hatte“, schreibt er in seinem Buch. Bloß vor Heroin war er zurückgeschreckt.

In den USA sind solche Geschichten für politische Gegner ein gefundenes Fressen, denn sie können politische Karrieren zerstören. 1987 musste Douglas Ginsberg seine Kandidatur für den Vorsitz des Obersten Gerichtshofes zurückziehen, weil publik wurde, dass er in seiner Studentenzeit Marihuana geraucht hatte.