Mensch des Jahres 2009

II. Der Mann, der inhalierte

Fünf Jahre später wären Bill Clintons Präsidentschaftsambitionen fast geplatzt, weil die Medien kolportierten, Clinton habe als junger Mann Marihuana geraucht. Zuerst leugnete der Kandidat, schließlich entschied er sich für eine schwammige Ausrede: Ja, er habe gekifft, den Rauch allerdings nie inhaliert, und außerdem habe es ihm nicht geschmeckt.

Als Barack Obama im Oktober 2006 öffentlich über eine Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten nachdachte, verwiesen Berater seiner parteiinternen Konkurrentin Hillary Clinton umgehend auf die Drogenvergangenheit des Senators von Illinois. Doch Obama zeigte sich unbeeindruckt und sagte in einem Interview im Oktober 2006 in Anspielung auf Bill Clinton: „Natürlich habe ich inhaliert, genau das ist ja der Punkt.“ Damit nahm er seinen Gegnern den Wind aus den Segeln: Drogen-konsum in der Vergangenheit ist eine -Sache, der Umgang damit eine andere. Einfach bei der Wahrheit bleiben diese einfache Formel erwies sich für Obama als genialer strategischer Schachzug. Den Wählern gefiel die für Politiker ungewöhnlich authentische Art Obamas, Kontrahenten erkannten das. Fortan wurde er mit diesem Kapitel aus seiner Vergangenheit nicht mehr konfrontiert, weder von Hillary Clinton noch vom republikanischen Wahlkampfteam rund um John McCain.