Mensch des Jahres 2009

III. Die amerikanische Erbsünde

Irgendwann musste die Rassenfrage zum Thema werden: Obama machte aus diesem Moment trotz widrigster Umstände einen Triumph.

Im März 2008 sorgte Obamas ehemaliger Pastor Jeremiah Wright mit einer provokanten Rede für Aufsehen: Wright sagte, die USA seien selbst schuld an den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Man könne nicht mit terroristischen Mitteln gegen andere Völker vorgehen und erwarten, selbst davon verschont zu bleiben, so Wright. Der Vorwurf des streitbaren Schwarzen, die USA seien nach wie vor ein zutiefst rassistisches Land, gipfelte in dem Satz: „Gott verdamme Amerika.“ Obama geriet umgehend ins Kreuzfeuer der Kritik und musste reagieren. Am 18. März 2008 hielt er in Philadelphia eine 30-minütige Rede über die „Rassenfrage, die wir nie ausgeräumt haben“, und deren Ursprung in der -Sklaverei, „der Erbsünde dieser Nation“. Obama sprach vom „Zorn, der in Teilen der weißen Gemeinschaft existiert“, und forderte die Amerikaner auf, einen Weg zu finden „aus der Rassensackgasse, in der wir seit Jahren stecken“.