Mensch des Jahres 2009

III. Die amerikanische Erbsünde

Politische Beobachter vermuteten zunächst, dass die Affäre Obama schaden würde. Denn in den USA ist das Rassismusthema immer noch eine tiefe Wunde, über die nicht gern gesprochen wird. Doch Obama schaffte es, eine neue Debatte ins Rollen zu bringen: Allein auf der Online-Videoplattform YouTube sahen sich über zehn Millionen Menschen die Rede an. Im Internet, in den Medien, in Talkshows, an Universitäten, kurz: im ganzen Land wurde eine beispiellose Diskussion über Rassismus in den USA geführt. Auch bei den Demokraten selbst hatte ebenfalls plötzlich eine kritische Selbstbetrachtung begonnen. Die Partei, die auf ihre Offenheit und ethnische Vielfalt stolz ist, habe kaum schwarze Führungsleute, kritisierte etwa Donna Brazile, die Ex-Wahlkampfchefin des ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore. Obamas Image als Mann, der die Nation einen möchte, wurde durch die Rede „A More Perfect Union“ weiter gestärkt. Die Zahl seiner Anhänger wuchs auch unter weißen Amerikanern. Barack Obama hatte bewiesen, dass er jedem Versuch, ihn einem Lager zuzurechnen, mühelos widerstehen kann.