Mensch des Jahres 2009

IV. Die perfekte Kampagne

Ein US-Präsidentschaftskandidat leitet ein Unternehmen mit ein paar hundert Millionen Dollar Umsatz und steht dabei rund um die Uhr unter Beobachtung. Ein Fehler kann das Aus bedeuten. Obama machte keinen.

Was befähigt einen Kandidaten, zum Stichtag am 20. Jänner 2009 an die Spitze der USA aufzurücken? Er darf in entscheidenden Momenten keinen Fehler machen. Anfang September 2008 kam es zu einem solchen Moment: Zwei Monate vor dem Wahltermin kollabierte der US-Finanzmarkt, die Börsenkurse an der Wall Street stürzten ab, milliardenschwere Kreditinstitute gingen bankrott, die Arbeitslosigkeit schnellte hoch, die Angst vor einer Neuauflage der großen Depression griff im ganzen Land um sich. Die Präsidentschaftskandidaten mussten in einer extrem unübersichtlichen Situation eine klare Linie vorgeben. John McCain gelang das nicht. Er forderte, den Wahlkampf vorübergehend zu unterbrechen und ein bereits fixiertes TV-Duell mit Obama abzusagen, um an Rezepten gegen die Krise zu arbeiten. Gleichzeitig attackierte er seinen Gegner und warf ihm vor, Steuererhöhungen zu planen.