Mensch des Jahres 2009

V. Die Farbe des Geldes

Die größte Herausforderung erwartet ihn schon zu Amtsantritt: Obama muss die USA vor einer Depression bewahren. Alle Welt erwartet, dass er das kann.

„Multi-Tasking ist noch milde ausgedrückt“, schreibt der britische „Independent“ über die Herausforderungen, die 2009 auf Obama warten. „Eine bessere Metapher ist jene des Schachgroßmeisters, der ein Dutzend Partien gleichzeitig spielt – mit der zusätzlichen Komplikation, dass sie alle miteinander in Verbindung stehen. Ein falscher Zug auf einem Brett kann auf einem anderen eine Katastrophe auslösen.“ Am Dienstag, 20. Jänner, wird Barack Obama vormittags vor dem Kapitol in Washington den Eid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten ablegen. Danach begibt er sich ins Weiße Haus, um unmittelbar danach seine ersten Amtshandlungen durchzuführen. Alles deutet darauf hin, dass sie im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise stehen und ein Konjunkturprogramm betreffen. Bereits jetzt liegt die Arbeitslosigkeit in den USA mit 6,7 Prozent so hoch wie seit mehr als 30 Jahren nicht. Wirtschaftsforscher fürchten, dass sie im ersten Halbjahr 2009 auf bis zu 8,5 Prozent steigen könnte. In absoluten Zahlen haben seit Dezember 2007 1,9 Millionen Amerikaner ihren Job verloren, allein im November 2008 wurden 533.000 Menschen auf die Straße gesetzt. Ende Dezember vergangenen Jahres kündigte David Axelrod, einer der wichtigsten Berater des neuen Präsidenten, sofortige und deutliche Steuererleichterungen für die amerikanische Mittelklasse an: zunächst als Notfallmaßnahme, bei der Erstellung des Budgets dann aber auf Dauer festgeschrieben. Das gesamte Wirtschaftsprogramm, das auch direkte Investitionen in die Infrastruktur der Vereinigten Staaten – Straßen, Schulen, Krankenhäuser – beinhaltet, soll ein Volumen von 675 bis 775 Milliarden Dollar haben und drei Millionen Arbeitsplätze sichern oder schaffen. Bei Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger 2008, stößt dieser Plan auf klare Zustimmung: Je mehr davon, desto besser, findet der bekennende -Obama-Sympathisant, warnt aber vor allzu großem Optimismus. „Herrn -Obamas derzeit guter Stand in den Umfragen basiert auf der Hoffnung der Öffentlichkeit, dass er Erfolg hat“, schrieb Krugman vergangene Woche in seiner „New York Times“-Kolumne. „Aber er braucht eine solide Basis an Unterstützung, die auch dann bestehen bleibt, wenn es nicht gut läuft.“