Nachruf zum Tod von Dr. Helmut Zilk:
Herbert Lackner über Wiens Altbürgermeister

Zusammengeschweißt hatte sie der Pulverdampf der frühen Zeitungskriege und der Pioniergeist der ersten Fernsehjahre. Der „Helmerl“ war ein Zentralgestirn seiner Peer Group – vielleicht auch deshalb, weil er um ein Alzerl lauter war als die anderen, unbekümmerter im Wechseln von Positionen, ungenierter in seiner Beliebigkeit.

In Helmut Zilk konnte sich jeder finden. Bei Ausstellungseröffnungen moderner Künstler legte er feurige Bekenntnisse für die Freiheit der Kunst ab, um im nächsten Satz vor aktionistischen Ferkeleien zu warnen. Danach stießen die Modernen mit einem Achterl rot auf den tollen Bürgermeister an, während die Konservativen beruhigt in ihre Josefstädter Plüschsofas zurücksanken, weil Zilk das Abendland schon vor Ungemach bewahren werde.