Neun Beispiele für Verschwendung

Beispiel 2: Effizienz

Das Wiener Krankenhausberatungsunternehmen Ebner Hohenauer HC Consult analysierte im Jahr 2003 das österreichische Krankenanstaltenwesen unter folgender Prämisse: Welches Einsparungspotenzial würde sich ergeben, wenn man Maßstäbe der günstigsten Anbieter von Gesundheitsleistungen auch an andere Spitäler anlegte, um dadurch die Ineffizienzen des Systems aufzuzeigen? Dazu gehören zu viele stationäre Betten, lange Verweildauer im Krankenhaus sowie eine insgesamt nicht sehr wirschaftliche Produktionsweise. Dabei kamen die Gesundheitsökonomen zu einem aufschlussreichen Ergebnis: Allein wenn man die Durchschnittsproduktionskosten der Krankenanstalten auf alle österreichischen Spitäler umlegt und bei den Wiener Spitälern, die aus unterschiedlichen Gründen traditionell die teuersten sind, noch 20 Prozent hinzurechnet, ergibt das ein errechnetes jährliches Einsparungspotenzial von 1,65 Milliarden Euro. Allerdings müsste man zugleich auch in den so genannten extramuralen Bereich, also in den Bereich der niedergelassenen Ärzte, investieren, wohin ein Teil der Leistungen verlagert werden müsste. Experte Heinz Ebner: „Die Daten sind bis auf einzelne Details noch immer aktuell.“

Restrukturierungen gab es bis heute nur in Hohenems sowie in Enns, wo die Chirurgie zugesperrt wurde. Zu einer Strukturbereinigung kam es auch zwischen den steirischen Spitälern Judenburg und Knittelfeld sowie zwischen den niederösterreichischen Krankenhäusern Stockerau und Korneuburg, während die Spitäler von Hainburg (Niederösterreich) und Kittsee (Burgenland), die nur zwölf Kilometer voneinander entfernt sind, beide die annähernd gleichen Gesundheitsleistungen erbringen. Laut Rechnungshofbericht (Reihe Burgenland 2002/3) verfügte die Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhauses Hainburg aufgrund des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes über einen leistungsunabhängigen Mindeststand von sechs Fachärzten – ein ärztlicher Personalstand, mit dem eine um 15 Betten größere Abteilung hätte betrieben werden können. Zitat aus dem Rechnungshofbericht: „Der Abbau der in den nahe gelegenen Krankenanstalten Kittsee und Hainburg bestehenden Parallelstrukturen bei Küche, Labor, Funktionsbereich Operationssaal, Reinigung, Röntgen und Sterilisation würde erhebliche Einsparungsmöglichkeiten bieten. Unter der Annahme einer dadurch möglichen Reduzierung von Vorhaltekosten im Ausmaß von 25 bis 30 Prozent der Gesamtkosten ergäbe sich für beide Krankenanstalten zusammen ein jährliches Einsparungspotenzial von zwei bis drei Millionen Euro.“ Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky schätzt das Sparvolumen noch weit höher ein, aber bisher sind entsprechende Maßnahmen ausgeblieben.