Neun Beispiele für Verschwendung

Beispiel 7: Blinddarmoperation

Laut Literatur treten pro 100.000 Einwohner etwa 85 Blinddarmentzündungen auf. Da wegen der Gefahr eines Blinddarmdurchbruchs schon bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung operiert werden sollte, gehen internationale Studien davon aus, dass in maximal 20 Prozent der Operationen keine Entzündung vorliegen darf, aber keinesfalls mehr. Heute sind die Diagnosemethoden jedoch derart ausgereift, dass sich dieser Wert auf zehn Prozent senken ließe. Das heißt, dass es bei gutem Versorgungsstandard nicht mehr als 95 bis 100 Blinddarmoperationen pro 100.000 Einwohner geben dürfte. Aber, so schreibt Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer in der „ÖKZ“, „in Österreich, dem Land, in dem sehr, sehr viele ‚kleine‘ Krankenhäuser um ihre Rechtfertigung kämpfen, werden 175 Operationen pro 100.000 Einwohner durchgeführt“. Bei insgesamt etwa 14.000 jährlich in Österreich vorgenommenen Blinddarmoperationen sind das, verglichen mit anderen Gesundheitssystemen, um 6000 zu viel, sagt Pichlbauer. Und nachdem die Fachliteratur davon ausgeht, dass bei einer von 400 Blinddarmoperationen etwas so dramatisch schiefgeht, dass der Patient stirbt, ergibt das – 6000 durch 400 – in Summe um 15 vermeidbare Todesfälle pro Jahr mehr. Ähnliches ortet Pichlbauer auch bei Herzkatheter-Untersuchungen, einer Behandlung „mit einer Sterblichkeit von einem Prozent, die in Österreich anderthalbmal so oft durchgeführt wird, als es die Krankheitshäufigkeit erwarten ließe – vielleicht deswegen, weil wir auch doppelt so viele Untersuchungsplätze haben, wie wir bräuchten?“