Öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Krise:
Die Rettungsmodelle der Medienexperten

Monika Lindner, Ex-ORF-Generaldirektorin

4 Die Medienkommissarin Viviane Reding hat vor Kurzem öffentlich erklärt, dass öffentlich-rechtliche Rundfunkunternehmen sich auf Gebühren beschränken sollten. Das hätte natürlich einigen Charme, weil dadurch der Quotendruck bei der Programmgestaltung wegfallen würde. Dass das Programmangebot bzw. der Auftrag im derzeitigen Umfang bei wesentlich geringeren Einnahmen durch Entfall der Werbung nicht mehr aufrechterhalten werden kann, muss jedem klar sein.

5 Diese Frage stellt sich erst dann ernsthaft, wenn der ORF unfinanzierbar ist und die Politik keinen Weg findet, um die Erfüllung des gesetzlichen Pro­grammauftrags sicherzustellen. Das bedeutet allerdings eine komplette Neuaufstellung des ORF, verbunden mit weiteren schmerzlichen Maßnahmen. Ob sich dann private Investoren finden, kann ich aus heutiger Sicht nicht beurteilen, insbesondere sich ja auch große private Programmanbieter im Nachbarland schwertun, ihre werbefinanzierten Programme wie bisher anzubieten und damit auch noch Geld zu verdienen. Denn wie sagte ein hochrangiger Vertreter der BBC, der angeblichen Mutter aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen: We need money to make program, they need program to make money. Und ob das in einem kleinen Markt möglich sein wird, hängt vor allem davon ab, welches Programmangebot man dem ORF dann noch lässt.