Öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Krise:
Die Rettungsmodelle der Medienexperten

Gerhard Weis, Ex-Generalintendant des ORF

4 Als der ORF im Jahr 1967 als „Großstaat-Rundfunk“ im Kleinstaat eingerichtet wurde, wusste man, dass aus dem Gebührenaufkommen des kleinen Markts allein das vergleichsweise große Angebot nicht finanziert werden kann – daher gab es auch Werbeeinnahmen. Das „duale Finanzierungssystem“ hat lange gut funktioniert, jetzt aber gibt es Mitbewerber am Werbemarkt, und daher wurden die Möglichkeiten des ORF beschnitten. Streicht man die ORF-Werbung ganz (was manche wollen), bräuchte der ORF Staatszuschüsse (die niemand will, auch nicht der ORF), oder es müsste das Programm- und Senderangebot drastisch verringert werden – was erst recht niemand will. Also wird man eine neue, tragfähige Finanzierung brauchen.

5 Private Investoren sind ja naturgemäß nur an jenen Programmen und Sendern interessiert, mit denen Geld zu verdienen ist – Geld, das jetzt der ORF einnimmt und für die Gesamtfinanzierung bitter notwendig hat. Würde man zum Beispiel Ö3 und/oder FS 1 privatisieren, wären diese Einnahmen für den ORF weg, und die Rundfunkgebühren müssten wohl auch entsprechend dem geringeren Angebot gesenkt werden – das würde die Misere dramatisch

verschärfen.