Radio: „Na hallo, das ist Zensur!“

1967

Nicht nur, dass keiner über dreißig war, es war auch keiner brav. Fast täglich gab es Ärger. Nach innen und außen. Schließlich waren wir auch als Redaktionsteam eine Besonderheit: Während in der rauen Wirklichkeit einer gnadenlosen ORF-Hierarchie („Management by Angst“)bei „Verfehlungen“ bestenfalls doch Gnade gewährt wurde, herrschte bei uns fast ebenso strenge Demokratie. Wollte Anton Pelinka eine Sendung zum besseren Verständnis italienischer Streikwut machen, dann wurde abgestimmt. Alle dafür? O. K. Der „Chef“ war ein duldsamer Chef. Hubert Gaisbauer heute: „Ich musste allerdings schon oft meinen Schädel hinhalten.“

Für Werner Vogt, der den damaligen Staatssekretär Gruber einen „politischen Gammler“ nannte. Als Wolfgang Schüssel, der kurz Mitglied der Jugendredaktion war, nach einem Interview über das Volksbegehren zur Abschaffung des Bundesheeres die Spendenkontonummer ansagen wollte, sagte ich: „Das geht nicht!“ Darauf er: „Na hallo, das ist Zensur!“