Radio: „Na hallo, das ist Zensur!“

1968

Gaisbauer hatte André Heller bei einer Diskussionsrunde mit „jungen Intellektuellen“ in der Industriellenvereinigung gehört. Dort war er ihm durch seine „Unerschrockenheit“ (feineres Wort für „goschert“) aufgefallen. Kam bald darauf in die Redaktion und zur ersten „Musicbox“. Gerd Bacher (der damalige ORF-Generalintendant, Anm.) spendete Lob, verlangte aber, dass sich der Herr „André“, alias „Franzi“, in Zukunft „Andreas“ zu nennen hatte. Derartige „Erlässe“ waren damals nichts Ungewöhnliches. Es gab in der Folge auch einen „Bart-Erlass“, einen „Pünktlichkeits-Erlass“, einen „Schnulzen-Erlass“ und einen „Krawatten-Erlass“ … Selbstverständlich hat sich Heller nicht daran gehalten. Und bald konnte seine unglaubliche Chuzpe auch Bacher überzeugen. Vor allem, weil Hellers Schmäh im Kern unpolitisch war. Ich kann mich an lange Gespräche erinnern, bei denen ich für eine bessere Welt war und er für eine bessere Frisur. Sein Credo war: berühmt werden. Ich musste mir alles mühsam aneignen, ihm waren Talent und Freundeskreis (von Attersee über Artmann bis Qualtinger) in den Schoß gelegt. … Es war ein langer, aber konsequenter Weg: … bis letztlich jener international bekannte Multimediakünstler herausgekommen ist, den auch die heimische Neidgenossenschaft nicht kleiner zu machen vermag.