Radio: „Na hallo, das ist Zensur!“

1969

Linke Vögel oder „Maoisten“, wie Bacher meinte, oder „Linkswichser“, wie uns Zentralbetriebsrat Heinz Fiedler in der ihm eigenen charmanten Art nannte – waren wir das? Gewiss, die Queen fanden wir zum Lachen, das Bundesheer überflüssig, viele Traditionen reaktionär, so manchen Generaldirektor faschistoid, die Uni verzopft, die allgemeine Einstellung zur Sexualität mittelalterlich und die Demokratie wenig gelebt, aber keiner von uns glaubte an die Alternative Kommunismus. Maos Experimente haben uns interessiert, aber niemand konnte sich das für sich selber vorstellen. Rudi Dutschke war Thema, aber sein Politkauderwelsch habe ich grauenhaft gefunden. Der Studentenslogan „Unter den Talaren der Mief von tausend Jahren“ drückte unsere Stimmung viel treffender aus. Wir wollten die Altvorderen, die nicht zu bessern waren, wenigstens ärgern. Gleichzeitig wollten wir aber schon auch „die Welt verbessern“. Wir fühlten uns als Bollwerk gegen die allgemeine Verblödung durch mediale (Dauer-)

Berieselung. Wir wollten Tabus infrage stellen, bis dahin versperrte Türen aufreißen, um frische Luft (um nicht zu sagen Wind, manchmal sogar Sturm) hereinzulassen.