Radio: „Na hallo, das ist Zensur!“

1974

Heute glaube ich zu wissen, warum in Bachers Aufstieg und Glück bereits die Wurzel zum Unglück lag: Bachers Glück, wenn man es so nennen will, war, der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein. Der ORF war bekanntlich politisch und finanziell am Ende. Beim Neubeginn und in der Aufbauphase brauchte es wahrscheinlich eine Persönlichkeit mit überdurchschnittlicher Durchsetzungskraft und eisernem Willen. Und ein zusammengeschweißtes Team, das sich nicht mit jener Mitbestimmung aufhalten wollte, die damals schon mehr als angesagt war (68!!). In Pionierzeiten gilt vieles als Tugend, was in Normalzeiten nicht akzeptiert wird … Und das nenne ich Bachers Unglück. So notwendig sein autoritärer Führungsstil für die Neuorganisation des ORF gewesen sein mag, so klar war auch, dass die Tage eines derartigen Regiments – theoretisch schon länger, aber langsam auch praktisch – gezählt waren.

Der vordergründig gewonnene Kampf gegen die „68er-Revolutionsideen“ konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um das letzte Aufgebot gegen Demokratisierung und Mitbestimmung gehandelt hatte. Neue Managementmethoden waren angesagt – nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil sie sich als effizienter erwiesen. Die alten Methoden hatten sich nur gehalten, weil sie in der rasanten Aufbauphase nützlich erschienen.