Radio: „Na hallo, das ist Zensur!“

1988

Unter dem Stichwort „1988“ habe ich eine Notiz gefunden, die ich in irgendeiner Anwandlung geschrieben und nirgends verwendet hatte. Man kann sie also als nie geschrieben betrachten: „Wenn der RTL-Plus-Thoma sagt: Das Wahre, Gute und Schöne hat in den elektronischen Medien nichts verloren – dann meint er offenbar, dass man dort nur das Falsche, Schlechte und Schiache finden kann. Wenn man die Leute fragt, ob sie für privates Radio und Fernsehen sind (kostenlos natürlich), dann ist das so, als ob man sie fragt, ob sie mehr Urlaub wollen – oder ob sie der Meinung sind, dass Politiker zu viel verdienen … Nirgends wird ehrlich argumentiert: Selbstverständlich ist die Einschränkung des Stumpfsinns (sowohl den des Programms als auch den der Werbung) eine Einschränkung der Freiheit des Geldverdienens. Dem einen Wert stehen aber doch andere Werte gegenüber. Es geht um kulturelle Identität, um die Verhinderung einer gigantischen Verblödung: Was bedeuten vier Millionen Werbespots im Leben? Was bedeutet es, wenn keiner Information mehr gefolgt werden kann, die über 40 Sekunden lang ist? Die ganze Medienvielfalt wird bei einigen so genannten Tycoons mit unglaublicher Machtansammlung enden, siehe die unselige Figur eines Berlusconi: „Das geringe Niveau ist der Wesenszug des Fernsehens.“ Er, wer sonst, muss es wissen. Und: Ö1 war immer schon anders …