Radio: „Na hallo, das ist Zensur!“

2001

Das neue ORF-Gesetz wurde im Juni beschlossen und sollte mit 1.1.2002 in Kraft treten. Ich war zwar ein von niemandem gefragtes Würschtl, aber da ich Schüssel und Morak aus früheren Zeiten kannte, wollte ich trotzdem den zu erwartenden Politstreich erstens verstehen und zweitens nicht unkommentiert lassen. Daher hatte ich den Herrn Medienstaatssekretär um einen Termin gebeten. … Weil Morak offenbar viel mit fordernden Interessenvertretern zu tun gehabt hatte, dachte er, ich wollte auch mehr Kultur im Gesetz festgeschrieben haben: „Was willst du, soll ich das Orchester auch ins Gesetz hineinnehmen?“ Das fand ich übertrieben. Außerdem wollte ich ganz etwas anderes, nämlich dass sie den ORF weder politisch gängeln noch kastrieren sollten. Das Problem war, Morak sprach Chinesisch, ich Farsi. Das erschwerte die Kommunikation.

Aus einem Brief an Medienstaatssekretär Morak am 17. Juni 2001: „Der ORF soll an die Kandare genommen und wirtschaftlich so weit geschwächt werden, dass seine Bedeutung entschieden kleiner wird. Du meinst, mit der Hälfte der Leute könnte der ORF auch auskommen. … Du findest, der ORF braucht weder Ö3 noch FM4 – die Fantasie für ORF-Amputationen ist offenbar sehr groß … Das alles geschieht unter dem Vorwand der medialen Liberalisierung, damit kommerzielle Anbieter dann ungehindert jenen Scheißdreck produzieren können, den man heute dem ORF vorwirft. Und dafür nehmt ihr in Kauf, dass ein funktionierendes Unternehmen über kurz oder lang zum Sanierungsfall wird? Ein Treppenwitz … “