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Schmäh 13: Die Steuerreform bringt jedem Österreicher mehr Geld

Genauso wenig wie die kleinsten Einkommen profitieren die Großverdiener. Für sie gilt weiterhin der Spitzensteuersatz von 50 Prozent für jene Teile des Jahreseinkommens, die 51.000 Euro überschreiten. Diese Schwelle wurde seit 1989 nicht angehoben: Weil die Einkommen seither aber real und nominell (durch Inflationsausgleich) stark angewachsen sind, rutschen immer mehr Menschen in die oberste Steuerklasse und müssen jeden zweiten Euro ihrer Gehaltserhöhungen an den Fiskus abliefern. „Kalte Progression“ heißt dieses Aufrücken unter Steuerexperten.

Einer von ihnen, Karl Bruckner von BDO Auxilia, hat dazu ein Beispiel errechnet: Ein Angestellter, der 1989 ein steuerpflichtiges Jahreseinkommen von 700.000 Schilling (50.870 Euro) hatte, lag damit genau unter der Grenze zum Spitzensteuersatz. Heute verdient derselbe Angestellte bereits mindestens 70.000 Euro, wenn sein Gehalt im Rahmen der Inflation angehoben wurde. Vermutlich liegt es sogar deutlich darüber, denn die Einkommen der Spitzenverdiener stiegen laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre doppelt so schnell wie die Inflation. Damit ist der Beispiel-Angestellte deutlich in die oberste Steuerklasse gewandert und bezahlt auf seine Einkommenserhöhung seit 1989 50 Prozent Steuer.

Die finanzielle Mehrbelastung durch die fehlende Anhebung des Schwellenwerts von 51.000 Euro ist beträchtlich: Wäre dieser nur parallel zur Inflation angehoben worden, würde derselbe Angestellte heuer satte 3248 Euro weniger Steuern bezahlen. Finanzminister Grasser hatte zwar schon in Aussicht gestellt, die Grenze hinaufzusetzen, bei der Präsentation der Steuerreform war jedoch keine Rede mehr davon.

Hauptbetroffene sind vor allem leitende Angestellte und Freiberufler, die auch von der Senkung der Körperschaftsteuer nicht profitieren können. Aber auch niedrigere Einkommen leiden unter der kalten Progression: Sie trifft alle, die in den letzten Jahren in die jeweils nächsthöhere Steuerklasse gerutscht sind. Laut Schätzungen der Arbeiterkammer spülte dieser Effekt dem Finanzminister seit dem Jahr 2000 stolze 900 Millionen Euro in die Kassen – was fast jene 975 Millionen Euro egalisiert, um die die Arbeitnehmer durch die Steuerreform entlastet werden sollen.

Spitzenverdiener ereifern sich nicht nur über den Schwellenwert von 51.000 Euro, sondern auch über den Spitzensteuersatz von 50 Prozent selbst. Er sei leistungsfeindlich, so könne man Manager internationaler Konzerne nicht zum Umzug nach Österreich bewegen, tönt es aus der Wirtschaft. Immer wieder wird auf Deutschland verwiesen, wo der vergleichbare Steuersatz per Anfang Jänner von 51,2 auf 47,5 gesenkt wurde. De facto liegt der österreichische Spitzensteuersatz für Angestellte jedoch bei lediglich 43 Prozent, rechnet BDO-Auxilia-Chef Bruckner vor: Da das 13. und das 14. Monatsgehalt nur zu je sechs Prozent versteuert werden, ergibt sich insgesamt eine niedrigere Spitzenbelastung.