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Schmäh 9: Die gesamte Wirtschaft wird entlastet

Während große Betriebe durch die KöSt-Senkung deutlich entlastet werden, bietet die Steuerreform für Klein- und Mittelunternehmen nur wenig Rosiges. Wirkliche Verlierer der Steuerreform sind aber 58.000 Freiberufler und tausende „neue Selbstständige“: Für sie gibt es gar keinen Bonus. Ärzte, Anwälte, Architekten, Steuerberater und IT-Spezialisten, an sich eine konservative Klientel, leiden weiter unter dem Spitzensteuersatz von 50 Prozent und dessen Schwellenwert von 51.000 Euro. Sie werden voll von der „kalten Progression“ getroffen. „Freiberufler werden bei der Steuerreform eklatant benachteiligt“, ärgert sich etwa Reiner Brettenthaler, Präsident der Ärztekammer.

Für bilanzierende Einzel- und Personengesellschaften sowie für Land- und Forstwirte gibt es zumindest eine kleine Erleichterung: Nicht entnommene Gewinne bis zu 100.000 Euro werden seit Anfang Jänner nur zur Hälfte besteuert. „Das bringt natürlich nur etwas, wenn man die Gewinne im Unternehmen lässt“, folgert BDO-Auxilia-Chef Bruckner. Gerade das sei aber oft nicht möglich, weil viele Kleinunternehmer von ihren Überschüssen leben müssen. „Die vielen Klein- und Mittelbetriebe, die am Rande der Existenz wirtschaften müssen, gehen weiterhin leer aus“, kritisiert auch SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter.

Für Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl geht dieser Vorwurf ins Leere: „Es steht jedem Unternehmen frei, die günstigste Rechtsform zu wählen.“ Die absehbare Konsequenz der Steuerreform: Es wird zu massenhaften Umgründungen kommen, um doch noch in den Genuss der KöSt-Senkung zu kommen. „Das geht leicht“, weiß Steuerberater Bruckner. Er erwartet, dass sich tausende Personengesellschaften in Kapitalgesellschaften umwandeln werden.