„Er verdreht Tatsachen“

PR-Berater Stefan Krenn wehrt sich gegen die Vorwürfe seines ehemaligen Arbeitgebers Peter Hochegger: Der Kunde Telekom war „absolute Chefsache“.

Interview: Michael Nikbakhsh, Ulla Schmid

profil: Herr Krenn, erklären Sie uns bitte einleitend, wann und wie Sie zu Peter Hochegger gestoßen sind.
Krenn: Ich bin im März 2005 im Alter von 26 Jahren zu Hochegger gekommen. Ich habe gerade an meiner Diplomarbeit über PR geschrieben und wollte in die Kommunikationsbranche. Hochegger.Com hat damals via Jobinserat Leute gesucht, und ich habe mich beworben. Bis dahin kannte ich weder die Agentur noch Herrn Hochegger. Ich wurde als Public-Relations-Juniorberater mit einem Gehalt von 2900 Euro brutto eingestellt und blieb zwei Jahre.

profil: Vor Ihrem Engagement bei Hochegger waren Sie im Stab des damaligen ÖVP-Generalsekretärs und Nationalratsabgeordneten Reinhold Lopatka tätig.
Krenn: Das ist nicht ganz korrekt. Ich habe während meines Studiums nebenbei als parlamentarischer Mitarbeiter nach dem Parlamentsmitarbeitergesetz gearbeitet. Ich war also kein Parteiangestellter der ÖVP. Wahr ist, dass ich im Rahmen meiner Tätigkeit im Parlament für verschiedene ÖVP-Abgeordnete tätig war. Die Themenfelder waren breit: Pensionsreform, Jugendschutz, Sicherheitsdoktrin. Dabei habe ich viel gelernt, etwa schnell unterschiedliche Themen und Positionen zu recherchieren und zu erfassen.

profil: Welche Aufgaben hatten Sie als Public-Relations-Juniorberater bei Hochegger.Com?
Krenn: Als Anfänger hatte ich mehrere ­Hierarchieebenen über mir. Ich war Teil ­eines Teams, das Recherchen, Analysen und Kommunikationskonzepte für unterschiedliche Kunden, zum Beispiel aus der Pharma- und IT-Industrie, realisierte.

profil: Sie waren auch später nicht für die politische Kontaktpflege zuständig?
Krenn: Überhaupt nicht. Das war reine Chefsache.

profil: Inwieweit sind Sie mit der Telekom Austria in Berührung gekommen?
Krenn: Nur am Rande. Ich war hauptsächlich für andere Kunden wie etwa die Pharmaindustrie tätig. Eine Ausnahme war das letztlich nie verwirklichte Glücksspielprojekt AON-Entertainment von Telekom Austria und Novomatic, das ich mitbetreut habe.

profil: Nun offenbarte Hochegger jüngst, er hätte 28 Politiker aller Couleurs unter Vertrag gehabt. Einer davon seien Sie gewesen. In einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ sagte er wörtlich: „Bei den Schwarzen haben wir den Stefan Krenn gehabt. Der hat die Argumente direkt in das schwarze politische Spektrum gespielt.“
Krenn: Das ist kompletter Unsinn. Das war nie meine Aufgabe und wurde auch nie von mir verlangt. Diese Art von Lobbying betrieben ausschließlich Hochegger und seine Miteigentümer. Es ehrt mich zwar, dass Hochegger mich in einem Atemzug mit früheren Regierungsmitgliedern nennt. Aber die Behauptung, ich sei der große ÖVP-Lobbyist gewesen, ist lächerlich.

profil: Hocheggers früherer Partner Dietmar Trummer hat seinerseits ausgesagt, Sie seien Leiter eines Lobbying-Teams gewesen.
Krenn: Das ist schlicht unwahr. Hochegger und Trummer haben die Lobbying-Teams geführt. Ich war weder in leitender Funktion, noch hatte ich eine Zeichnungsberechtigung und schon gar keine Mitarbeiter- oder Umsatzverantwortung. Ich habe meinen Anwalt deshalb beauftragt, rechtliche Schritte gegen Hochegger einzuleiten. Ich klage, weil ich mir diese unwahren Äußerungen nicht gefallen lassen kann.

profil: Haben Sie eine Idee, warum Hochegger das behauptet?
Krenn: Das ist das typische Hochegger-Spinning. Er versucht bewusst, Tatsachen zu verdrehen, um von sich und seinen Mitwissern abzulenken. Von den 28 Politikern, die er genannt hat, waren zwei Dutzend einfache Agenturmitarbeiter, die noch dazu nicht sehr lange bei Hochegger.Com tätig waren.

profil: Karl-Heinz Grasser, Ernst Strasser, Hubert Gorbach und Mathias Reichhold waren in der Ära Schwarz-Blau mehr oder weniger eng mit Hochegger verbandelt. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Krenn: Damit haben wir Mitarbeiter nichts zu tun gehabt, daher kann ich dazu inhaltlich auch nichts sagen. Es ist schon vorgekommen, dass manche der Herren in der Agentur aufgetaucht sind. Die sind dann direkt zu Besprechungen mit Peter Hochegger gegangen. Wir haben immer wieder über den hohen Besuch gestaunt.

profil: Wer war bei diesen Gesprächen sonst noch dabei?
Krenn: Das war absolute Chefsache. Ich nehme an, die Brüder Hochegger (Peter und Paul, Anm.) und manchmal auch Trummer.

profil: Trummer hat im U-Ausschuss dar­über hinaus behauptet, Peter Hochegger hätte ab Mitte 2000 gar keinen Schreibtisch mehr in der Agentur gehabt.
Krenn: Trummer hat offenbar Erinnerungslücken. Hochegger hatte natürlich einen Schreibtisch in der Agentur und war zu meiner Zeit, also zwischen 2005 und 2007, fast täglich dort anzutreffen. Er hat an allen wichtigen Teambesprechungen teilgenommen und war überall voll integriert. So wie überhaupt alles von oben kam. Wir einfachen Mitarbeiter haben immer nur auf Anweisung gehandelt und hatten keinerlei Entscheidungsspielraum.

profil: Allein die Telekom Austria hat im vergangenen Jahrzehnt rund 38 Millionen Euro an die Unternehmensgruppe Hochegger überwiesen. Davon floss ein Betrag in einer Höhe von rund zehn Millionen Euro an sein privates Lobbyingvehikel Valora AG. Wussten Sie, welche Beträge da gedreht wurden?
Krenn: Nein. Die Valora war unter uns Agenturmitarbeitern nie ein Thema. Und die Summen kenne ich nur aus den Medien.

profil: Einer der Empfänger war Walter Meischberger. Er bezeichnet sich heute als Hocheggers Subauftragnehmer. Laut uns vorliegenden Unterlagen hat er über die Jahre fast zwei Millionen Euro brutto kassiert. Irgendeine Idee, wofür?
Krenn: Ich persönlich habe Meischberger nur im Rahmen des Projekts AON-Entertainment wahrgenommen, da war er Teil des Teams. Was er darüber hinaus für Hochegger gemacht hat, kann ich nicht beurteilen.

profil: Trummer meinte gegenüber dem U-Ausschuss, Walter Meischberger sei ab dem Jahr 2000 im Hause Hochegger „nicht mehr erwünscht gewesen“, habe also eine Art „Hausverbot“ gehabt.
Krenn: Das ist vollkommener Unfug. Meischberger ist auch noch Jahre später ein- und ausgegangen, etwa wegen des AON-Entertainment-Projekts.

profil: Hochegger steht im Verdacht, Politiker und ausgewählte Günstlinge systematisch mit Telekom-Geldern geschmiert zu haben. Davon haben Sie nichts mitbekommen?
Krenn: Ich wusste das nicht, und ich gehe davon aus, dass auch die anderen Mitarbeiter davon nichts mitbekommen haben. Von den Millionen haben wir Angestellte jedenfalls nichts bekommen. Reich geworden sind offenbar nur Hochegger und seine Partner.

profil: Hochegger gefällt sich neuerdings in der Rolle des vermögenslosen Pantheisten, der eins mit der Natur sei.
Krenn: Und das glauben Sie? Ich glaube ihm kein Wort.