Umwelt: Heiße Luft

Umweltminister Josef Pröll (ÖVP)

Wohnen/Heizen: „Fünfköpfige Familie, 145m2; Wärmedämmung und Bezug 2004; Stromliefervertrag über 100 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie; Zentralheizung mit Erdgas.“

Experten: Zwar können zwischen den Wärmedämmungen Welten liegen. Doch so übel kann eine aus 2004 so nicht sein. Freundliche Nasenlöcher machen die Umweltexperten, als sie lesen, wie viele Prölls sich 145 Quadratmeter teilen: 29 bleiben jedem Familienmitglied, deutlich weniger als dem Durchschnittsösterreicher, der auf 37,5 Quadratmetern wohnt. Sollte die Gasheizung auch noch State of the Art sein, konzedieren Haberl und Erb dem Umweltminister guten Gewissens „einen ressourcenschonenden Wohnstil“. Zumal der Strom, den er bezieht, vermutlich zu einem guten Teil aus Windenergie stammt. Politisch haben sie mehr auszusetzen: „Auf die Novelle des Ökostromgesetzes warten wir schon lange.“

Elektrogeräte/Beleuchtung: „Kein Trockner, keine Mikrowelle, Kühlschrank und Waschmaschine Energieeffizienz Kategorie A. Verzicht auf Stand-by-Betrieb.“

Experten: Energetisch betrachtet ist die Verbannung der Mikrowelle keine Heldentat. Das Gerät ist mitunter effizienter als ein E-Herd. Dass Pröll erwähnt, was er nicht besitzt, findet jedoch Anklang.

Essen: „Überwiegend regionale und jahreszeitliche Lebensmittel […]. Gerichte mit Fleisch eher am Wochenende; sonst heimischen Fisch, gelegentlich Wild, Fair-Trade-Orangen und Zitrusfrüchte.“

Experten: Weniger Fleisch ist wunderbar; Süßwasserfisch aus heimischen Gewässern okay. Den Klimaforschern fehlen ein paar Worte zum biologischen Anbau: „Der bringt im Vergleich zum traditionellen viel für den Klimaschutz.“

Verkehr: „Zum Büro mit dem Dienstwagen; Termine in der Innenstadt mit dem Auto, der Straßenbahn, dem Rad oder zu Fuß; EU-Räte in Brüssel/Luxemburg sowie internationale Termine mit dem Flugzeug; Bundesländerbesuche mit Auto, Zug und gelegentlich Flugzeug (z. B. Vorarlberg). Allerdings erarbeiten Experten im Ministerium gerade ein System zum Carbon-Offset dienstlicher Flugreisen (Kompensation von CO2 durch Investition in Klimaprojekte). Privat: Kinder haben Schülerkarten, Ehefrau Gabi Pröll eine Jahreskarte […] Ausflüge mit der Familie oder zu den Großeltern mit dem Auto. Weitere Strecken – etwa zu den Schwiegereltern nach Tirol – mit dem Autoreisezug. Urlaub 2007: mit dem Flugzeug nach Griechenland und mit dem Zug nach Tirol. Auto privat: Toyota Carina, Benzin, Verbrauch: sieben bis acht Liter auf 100 Kilometer.“

Experten: Dass der berufsbedingte Vielflieger ökologische Sünden durch Carbon-Offset-Systeme kompensieren will, sei mittelfristig eine „gute Sache“. A la longue müsse in der Luft und auf der Straße der Verkehr zurückgehen. Wie viele Kilometer pro Jahr die Pröll-Familie im privaten Toyota Carina zurücklegt, bleibt offen. Darauf käme es an. Klimaschutztechnisch.