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Harald K., 34

Er garantierte uns mündlich sechs Prozent Rendite pro Jahr. Daneben sollten wir für den Hausbau einen Kredit über 430.000 Euro aufnehmen. Die Kreditzinsen könnten wir laufend mit der Rendite tilgen und überschüssige Gewinne für die Altersvorsorge verwenden. In sieben Jahren wären wir schuldenfrei. Das Beratungsprotokoll über die Risken hat er selbst ausgefüllt und zur Unterschrift vorgelegt, mit den Worten „nur der Vollständigkeit halber“ und „kann ja eh nichts passieren“. Im ersten Jahr waren die Erträge auch super, und wir haben einmal 65.000 Euro rausgeholt. Der Berater war ständig da: Er hat uns angerufen, besuchte uns, fragte, wie es liefe. Aber als die Aktien zu fallen anfingen, habe ich versucht, ihn zu kontaktieren, er ging fast nicht ans Handy, und wenn, hat er immer vehement gefordert, wir sollen die Aktien behalten. Im Dezember 2007 hat er dann sogar die mündliche Garantie von sechs Prozent Rendite schriftlich verfasst und uns übergeben. Momentan haben wir 95 Prozent Verlust im Aktiendepot, und die Kreditsumme ist durch Währungsschwankungen um 10.000 Euro gestiegen. Und das Beste ist: Vor einer Woche tauchte er wieder bei uns auf und redete uns zu, unsere Immofinanz-Aktien aufzustocken.

Er schiebt alles auf die Finanzkrise. Aber als wir ihm damals sagten, dass die Krise auch für uns ein Problem werden würde, tat er es als amerikanisches Problem ab. Heuer im September riet er uns sogar, in den Yen zu wechseln, weil da könnten wir viel Geld sparen. Hätten wir das getan, wäre unsere Kreditsumme jetzt noch viel höher. Hätten wir Mitte 2007 nur die Aktien verkauft! Der Berater hat viel Geld mit uns verdient, AWD auch. Dank massiver Fehlberatung und Verschleierung von Risiken stehen wir jetzt vor dem Ruin, wo ist da die Fairness?