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1. Die Erhöhung der Lehrverpflichtung ist eine Petitesse angesichts der Schulmisere

Claudia Schmied nennt ihre Maßnahme großspurig eine „Strukturreform“. Doch niemand glaubt, dass Lehrer, die es gewohnt sind, ihre Schüler mit Frontalunterricht zu beschallen, besser unterrichten, nur weil sie zwei Stunden länger in der Klasse stehen. Wird mein Kind dadurch individuell gefördert?, fragen besorgte Eltern. Sie sind zu Recht alarmiert. Die vergangenen PISA-Studien zeigten, dass ein Viertel der österreichischen Pflichtschulabgänger nicht fähig ist, einen Text sinnerfassend zu lesen. Das sind die Arbeitslosen von morgen. Dennoch wurde in den vergangenen Jahren der muttersprachliche Unterricht, nach Ansicht von Bildungsexperten eine Voraussetzung für den gefestigten Erwerb des Deutschen, zusammengestrichen.

Auch in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie und Physik, die in Österreich getrennt und nicht wie bei den PISA-Siegern interdisziplinär unterrichtet werden, schneiden die Schüler unterdurchschnittlich ab. In Mathematik sind die schwächeren Schüler in den vergangenen Jahren sogar noch schlechter geworden. Schmied kennt die Probleme und ­fordert Team-Teaching, Projektarbeit, Förderung des Einzelnen. Sozialarbeiter sollen an den Schulen Dienst tun, der Förderunterricht ausgeweitet und eine gemeinsame universitäre Ausbildung für alle Lehrer angepeilt werden. Doch eine Arbeitsgruppe zur gemeinsamen Lehrerausbildung und Besoldungsreform wurde erst vergangene Woche ins Leben gerufen, die Sanierung von Schulgebäuden ist für die nächsten Jahre projektiert. Für den Umgang mit Migrantenkindern gibt es keinen politischen Konsens mit der ÖVP. Auch nicht für die flächendeckende Einführung der Gesamtschule.