x

3. Wenn alle Lehrer in einen Topf geworfen werden, zahlen die Engagierten drauf

Vor fünf Jahren wurden die Lehrpläne reformiert. Seither haben die heimischen Lehrer mehr Freiheiten, ihren Unterricht zu gestalten, als ihre Kollegen in Deutschland oder Frankreich. Doch gute Lehrer bekommen in der Praxis weder mehr Geld noch mehr Anerkennung als schlechte. Oft rennen die Engagierten bei Kollegen, Schulleitern und Gewerkschaftsfunktionären gegen Gummiwände. Die Folge: In den heimischen Schulen verglühen seit Jahrzehnten ausgerechnet jene Lehrer, die es besser machen wollen als die Lehrer, die sie selbst in der Schule hatten.

Georg Neuhauser, Biologielehrer an einer HAK in Steyr, gehört zu dieser Spezies. Vor ein paar Jahren machte auch ihm der Beruf nicht mehr viel Spaß. Doch statt zu resignieren, initiierte der nebenbei als Psychotherapeut ausgebildete Pädagoge gemeinsam mit einigen Kollegen ein Projekt für offenes, kooperatives Lernen. Seither arbeiten er und seine Mitstreiter zwar mehr – aber auch lieber denn je. Dass die Unterrichtsministerin nun allen Lehrern zwei Stunden Mehrarbeit verordnet, hält er für „völlig daneben“: „Die Kollegen, die Dienst nach Vorschrift machen, biegen die zwei Stunden mehr auch noch runter. Die Engagierten aber arbeiten schon jetzt am Limit und sind total frustriert, dass die Ministerin alle in einen Topf wirft.“ Strategisch war das nicht sehr geschickt. „Gegen die Lehrerschaft kann Schmied gar nichts durchsetzen“, sagt Bildungsexperte Thomas Stern, der in den vergangenen Jahrzehnten an zahlreichen Schulversuchen mitgewirkt hat und seit einigen Jahren am Institut für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung arbeitet. Er fürchtet sogar, dass „engagierte Lehrer ihre laufenden Reformprojekte jetzt frustriert abbrechen. Das wäre das Schlimmste.“