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5. Mehr Zeit in der Schule, ja. Aber nur, wenn das Rundherum sich auch ändert

Lehrer sind einsam, was absurd klingt, weil sie so viel unter Leuten sind“, sagt Christian Havranek, Partner bei ­Deloitte. Das Beratungsunternehmen ­erstellte gemeinsam mit dem Meinungs­forschungsinstitut SORA die Studie „LehrerInnen 2000“. Der Grund: Jeder plant seinen Unterricht alleine, es gibt keinen Austausch mit Kollegen. „Lehrer sind vorwiegend Einzelkämpfer“, sagt Christiane Spiel, Bildungsforscherin an der Universität Wien. Sowohl für die Pädagogen als auch für ihre Schüler wäre es besser, „wenn sie mehr Zeit in der Schule verbringen könnten“. Genau das forderte vergangene Woche der ÖVP-nahe Experte Bernd Schilcher: „Wir brauchen eine Ganztagsschule für Lehrer.“ Allerdings müsse sich dafür das Rundherum ändern. Derzeit sitzen bis zu drei Lehrer an einem Schreibtisch. Konzentriertes Arbeiten ist da nicht möglich. Spiel: „Mit flexibler, moderner Architektur könnte man Räume schaffen, in denen sich auch Teams in Ruhe zusammensetzen können.“ Doch das kostet Geld und hat eine lange Vorlaufzeit: In den kommenden Jahren sollen 1,7 Milliarden Euro in Neubau und Sanierung von Schulgebäuden fließen.

Mindestens so dringend wie bauliche Maßnahmen braucht es Ermutigung für gute Lehrer. Eine der raren Initiativen, die sich durchsetzte, ist IMST (Innovationen machen Schulen Top). Ursprünglich sollten damit die naturwissenschaftlichen Fächer reformiert werden, inzwischen gibt es IMST-Lehrer auch in Deutsch und Geschichte. 160 Schulen sind jedes Jahr dabei. Die Lehrer beantragen ihr Projekt beim Unterrichtsministerium – oft über die Köpfe von Schuldirektoren hinweg – und bekommen fachliche und organisatorische Unterstützung. Auch eine allerdings ­geringe finanzielle Abgeltung für die Mehrarbeit. Viel zu selten lässt das ­erstarrte, hierarchische Schulwesen ­Erfolgsgeschichten wie diese zu.